Kippen und Hundekotbeutel ohne Ende
Ein Fahrrad, Autoersatzteile, Baustellenrohre und mehrere Autoreifen: Rund 700 Kilogramm Müll kamen beim ersten Frühjahrs‑Cleanup in Weil am Rhein zusammen. Besonders erschütternd: Den größten Teil machten Zigarettenkippen, Verpackungsmüll und unzählige Hundekotbeutel aus. Etwa 200 engagierte Menschen – Kinder, Jugendliche und Erwachsene – zogen mit Greifzangen und Müllsäcken los, um Gutes zu tun und zu zeigen, wie viel man gemeinsam bewegen kann.
„Die Premiere ist perfekt geglückt. Die hohe Beteiligung hat uns wirklich beeindruckt. Dass so viele Menschen bei bestem Wetter losgelaufen sind, um Müll zu sammeln, ist ein starkes Zeichen für unsere Stadt und für gelebte Verantwortung“, freuen sich Olga Anselm und Rebeka Schiessl, die Verantwortlichen der Kampagne Weil.Sauber.Besser.
Besonders berührt hat die Organisatorinnen, wie weit die Einladung getragen wurde. „Natürlich haben wir über städtische Kanäle informiert, Plakate aufgehängt und auf Social Media gepostet. Aber die eigentliche Dynamik entstand durch das Weitergeben: über private Nachrichten, Vereine, Nachbarschaften und Gruppen in der ganzen Umgebung. Diese grenzüberschreitende Unterstützung war großartig und zeigt, wie stark Netzwerke wirken, wenn viele mitziehen“, erklärt Schiessl.
In nahezu allen Stadt- und Ortsteilen waren Helferinnen und Helfer unterwegs. Zehn Sammelstellen wurden eingerichtet, von denen Mitarbeitende des Betriebshofs die gefüllten Säcke abholten. Neben kuriosen Fundstücken sammelten die Freiwilligen vor allem zigtausende Zigarettenstummel, Verpackungsmüll und erschreckend viele Hundekotbeutel – ein Spiegelbild dafür, wie achtlos manche Menschen ihren Abfall liegen lassen.
Unterstützung kam aus vielen Richtungen: Weiler Firmen, Vereine, Gruppierungen, Mitglieder des Jugendparlaments, private Initiativen und Einzelpersonen beteiligten sich. Sogar aus Basel reiste die Aktion Pinguin an. Bereits am Vormittag waren rund 60 Personen bei der Dorfputzete in Märkt im Einsatz, organisiert von Ortsverwaltung und Sportverein und unterstützt von Weil.Sauber.Besser.
Auch Mitarbeitende des Rathauses und Mitglieder des Gemeinderats packten mit an. Rechts- und Ordnungsamtsleiterin Ellen Nonnenmacher war beispielsweise mit Andreas Rühle in Friedlingen unterwegs. Hauptamtsleiterin Annette Huber und Manuela Störk (Leiterin der Polizeiabteilung) nahmen nach getaner Arbeit die Utensilien entgegen, und vier Auszubildende unterstützten beim Abschlussfest im Foyer.
Rund 130 Personen nahmen am gemütlichen Ausklang teil. Es gab Hefezopf und Pizza, ein Infostand des Vereins Rheingeworfen zeigte Fundstücke aus dem Rhein, und ein Bastelbereich lud Kinder zum Mitmachen ein. Auf einem großen Plakat konnten die Teilnehmenden festhalten, warum sie dabei waren.
Warum also? „Weil es gut für die Stadt ist … weil es Spaß macht … weil auch kleine Dinge einen Unterschied machen … weil sich niemand an Scherben verletzen soll … oder weil es nötig ist (leider) …“, stand dort in bunten Farben geschrieben.
Oberbürgermeisterin Diana Stöcker begrüßte die Anwesenden und bedankte sich für deren Engagement: „Es braucht Menschen, die bereit sind, mitzumachen.“ Nur so könne man etwas bewegen. Sie wünschte sich, dass diese Energie weitergetragen werde und Cleanups nicht nur ein Termin im Kalender seien, „sondern Teil unserer Haltung werden“.
Man werde bei Weil.Sauber.Besser. an mehreren Stellschrauben drehen: an der Zusammenarbeit mit Ehrenamtlichen sowie Patinnen und Paten, an mehrsprachiger Aufklärung, klarer Kennzeichnung und konsequenten Kontrollen bei illegaler Müllablagerung. „Wir brauchen Aufklärung, Beteiligung und klare Regeln.“
„Der Abschlusshock im Foyer war das emotionale Finale: Es wurden unglaublich viele Gespräche geführt, Ideen und Anregungen ausgetauscht. Genau dieses Zusammenkommen nach getaner Arbeit ist uns wichtig, da daraus neue Verbindungen entstehen“, sagt Olga Anselm und bedankt sich bei allen Helferinnen und Helfern. „Ohne den Einsatz vieler Menschen – auch im Hintergrund – funktioniert so ein Tag nicht.“
Die Resonanz war durchweg positiv. Viele Passantinnen und Passanten lobten die Aktion spontan, einige kündigten an, beim nächsten Mal selbst mitzumachen. Zahlreiche Gruppen haben sich bereits festgelegt. „So wünschen wir uns das: eine Aktion, die sichtbar, wirksam, menschlich und verbindend ist.“
Dass der Termin auf einen Samstag fiel, führte außerdem dazu, dass auch viele Menschen aus der Schweiz und Frankreich, die an diesem Tag in Weil am Rhein unterwegs waren, auf die Aktion aufmerksam wurden.
Die beiden Organisatorinnen freuen sich nun auf den weiteren Austausch mit Matthias Scharenberg, der zeitgleich den 7. GWCU in Grenzach‑Wyhlen organisiert hatte und die Weiler Aktion im Vorfeld unterstützt hat.
Wer hat mitgemacht?
Aktion Pinguin (Basel)
Conductix-Wampfler
Dreiländergalerie
Geocacher
Haltinger Pickups
IG Velo
Jugendparlament
Mehrgenerationenhaus
Bewohnerinnen/Bewohner und Mitarbeitende des St. Josefshauses
Schoebel Office
Schwarzwaldverein
Trinationales Umweltzentrum
Wiler Mooswaldsiechä
Sportverein Märkt
Ortsverwaltung Märkt
Gemeinderäte
private Gruppen
Einzelpersonen

