Großer Erfahrungsschatz geht verloren
1977 - Helmut Schmidt war Bundeskanzler, Niki Lauda wurde zum zweiten Mal Formel 1-Weltmeister - trat Nobert Nußbaumer seine Ausbildung bei der Stadtverwaltung Weil am Rhein an. 1978 - Schmidt war noch immer Bundeskanzler und Sigmund Jähn flog als erster Deutscher ins All - kam Gerhard Broß als Auszubildender zur Stadt. Damals waren das Internet, Computer Smartphones oder E-Mails für den Arbeitsalltag noch Zukunftsmusik. Beide blieben sie Jahrzehnte ihrer Arbeitgeberin treu. Nun wurden sie in den Ruhestand verabschiedet.
Norbert Nußbaumer und Gerhard Broß haben den Wandel von der analogen zur digitalen Verwaltung vollständig miterlebt – von Karteikästen und Schreibmaschinen über erste Computer bis hin zu E-Akten, Online-Diensten und Videokonferenzen. 49 beziehungsweise 48 Jahre lang waren beide verlässlicher Mitarbeiter.
Norbert Nußbaumer zeigte sich bürgernah, setzte sich für pragmatische, zielführende und wenn möglich unbürokratische Lösungen ein. Weiler Vereine und Schulen schätzten diese pragmatische Vorgehensweise.
Nach der Ausbildung wurde Nußbaumer in der statistischen Abteilung und als Aushilfe im Sekretariat der Karl-Tschamber-Schule eingesetzt, ehe er 1981 ins Stadtarchiv wechselte. Nach seinem Grundwehrdienst ging es für ihn 1984 in der Personalabteilung weiter, ehe er 1987 in der Schul- und Sportabteilung seine Berufung fand.
Dort blieb der Weiler nämlich bis zu seinem Ruhestand und übernahm 2007 dabei die Funktion des Sachgebietsleiters Schule und Sport. Zudem wurde ihm die Leitung der Geschäftsstelle des Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschusses übertragen. Am 1. Juni wurde der dienstälteste Mitarbeiter im Weiler Rathaus in den Ruhestand verabschiedet.
Auch Gerhard Broß wechselt in den Ruhestand. Gut zehn Jahre lang fungierte er zuletzt als Abteilungsleiter Bauverwaltung im Stadtbauamt. Dort war er unter anderem für das Geoinformationsportal (GIS) sowie die städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen zuständig, wirkte als Verfahrensbegleiter bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und leitete die Geschäftsstelle des Bau- und Umweltausschusses.
1980 wurde er nach abgeschlossener Ausbildung im Hauptamt übernommen, wo er im Bereich Sozialhilfe wirkte, ehe 1982 der Wechsel zum Ordnungsamt (Polizei- und Passabteilung) erfolgte. Nach dem Grundwehrdienst ging es für ihn in der Stadtkasse weiter. 1985 wechselte er zur Kulturabteilung, ehe 2006 der Wechsel zum Stadtbauamt in die Abteilung Verkehr und Tiefbau anstand. 2016 wurde ihm die Leitung der Bauverwaltung übertragen, die er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand zum 1. August ausführte
„Mit ihrem langjährigen Einsatz haben sie unsere Stadtverwaltung nachhaltig geprägt. Sie waren über viele Jahre verlässliche Ansprechpartner, haben Verantwortung übernommen und ihr Wissen an jüngere Kolleginnen und Kollegen weitergegeben“, machte Oberbürgermeisterin Diana Stöcker anlässlich einer Feierstunde deutlich.
Der Abschied von Mitarbeitenden mit einer derart langen Betriebszugehörigkeit sei weit mehr als nur ein personeller Wechsel. Denn er markiere einen tiefen Einschnitt für die gesamte Verwaltung. Gehe doch ein großer Erfahrungsschatz verloren. Verloren gehe Wissen, welches sich nicht allein in Akten oder digitalen Systemen festhalten lässt, sondern aus jahrzehntelanger Praxis, gewachsenen Netzwerken und einem tiefen Verständnis für die Menschen und die Stadt entstanden sei, hielt Stöcker fest.
Gleichzeitig, so meinte Stöcker, böten solche Abschiede auch Anlass, die Bedeutung des öffentlichen Dienstes in den Blick zu rücken. „Eine funktionierende Stadtverwaltung lebt von Menschen, die ihre Aufgaben über viele Jahre hinweg zuverlässig, verantwortungsbewusst und mit großer Verbundenheit zur Stadt erfüllen. Dieses Engagement bildet das Fundament für eine leistungsfähige Verwaltung und das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger.“
Für den neuen Lebensabschnitt wünschte Stöcker den beiden vor allem Gesundheit, Freude und viele erfüllende Momente – mit Zeit für Familie, Hobbys und all das, was im Berufsalltag oft zu kurz gekommen sei.
