Runder Tisch zur medizinischen Versorgung

Gemeinsame Lösungen für die Gesundheitsversorgung vor Ort gemeinsam im Rathaus diskutiert

Ziel des Runden Tisches ist es, gemeinsam tragfähige Lösungen für die medizinische Versorgung vor Ort zu entwickeln. Foto: Pixabay

Beim 2. Runden Tisch zur medizinischen Versorgung von Weil am Rhein und Nachbarkommunen kamen Vertreterinnen und Vertreter der hiesigen Ärzteschaft, der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), der Kliniken, der Stadtverwaltung sowie der Weil am Rhein Wirtschaft & Tourismus GmbH im Rathaus zusammen, um aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der gesundheitlichen Versorgung zu diskutieren. Erstmals nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter der Zahnmedizin an dem regelmäßigen Austausch teil.
 
Oberbürgermeisterin Diana Stöcker begrüßte die Teilnehmenden und betonte die Bedeutung des Runden Tisches als Plattform für den offenen Dialog zwischen Ärzteschaft, Institutionen und Kommune. „Ziel ist es, gemeinsam tragfähige Lösungen für die medizinische Versorgung vor Ort zu entwickeln.“
 
Im Mittelpunkt der Sitzung stand die Vorstellung der ambulanten Versorgungssituation in Weil am Rhein durch die KVBW. Die präsentierten Zahlen zur hausärztlichen und fachärztlichen Versorgung führten zu einer intensiven und kontroversen Diskussion. Vertreterinnen und Vertreter der Ärzteschaft kritisierten, dass die Bedarfsplanung die tatsächliche Versorgungssituation vor Ort nicht ausreichend widerspiegelte. Die KVBW erläuterte, dass die Bedarfsplanung auf bundesweiten Vorgaben beruhe und in erster Linie der Verteilung von Arztsitzen auf eine Region diene. Es gehe darum, die zu verteilenden Ressourcen ausgewogen auf Versorgungsgebiete zu verteilen. 
 
Einigkeit bestand darüber, dass die medizinische Versorgung vor vielfältigen Herausforderungen steht. Neben der Altersstruktur der Ärzteschaft erschweren insbesondere der Fachkräftemangel sowie die Konkurrenz durch den Arbeitsmarkt in der Schweiz die Situation zusätzlich. Auch die bestehende Vergütungssystematik begrenze den Ausbau weiterer Arztsitze. Ärzte und KVBW sprachen sich daher gemeinsam für eine deutliche Entbürokratisierung des Gesundheitswesens aus.
 
Um die medizinische Versorgung zu verbessern, setzt die KVBW verstärkt auf telemedizinische Angebote. Unter www.docdirekt.de erhalten Menschen rund um die Uhr ärztliche Hilfe, wenn sie akut erkrankt sind. Nach Eingabe der Postleitzahl werden die aktuellen Beschwerden abgefragt und man erhält eine Einschätzung, wie dringend medizinische Hilfe notwendig ist und welches Versorgungsangebot in Frage kommt. Je nach Ergebnis kann man sich direkt in eine telemedizinische Beratung mit einer Teleärztin oder einem Telearzt vermitteln lassen.  
 
Darüber hinaus wurde hervorgehoben, die oft fehlende Gesundheitskompetenz der Bevölkerung wieder zu stärken. Durch bessere Information und Aufklärung können Fehlsteuerungen und unnötige Inanspruchnahmen medizinischer Leistungen reduziert werden. Entsprechende Informationsmaterialien, wie der Gesundheits- und Sozialkompass des Landkreises, stehen hierfür bereits zur Verfügung. Wichtig wäre aber eine konkrete Gesundheitsbildung bereits in den Kindergärten und Schulen.
 
Als gemeinsames Ziel vereinbarten die Beteiligten, die Vernetzung zwischen KVBW, Ärzteschaft, Kliniken und Kommune weiter auszubauen, um langfristig stabile Versorgungsstrukturen zu schaffen. Vertreter des Klinikums unterstrichen dabei die enge gegenseitige Abhängigkeit von ambulanter und stationärer Versorgung und warben für eine intensivere Zusammenarbeit und Kommunikation aller Akteure. Für den nächsten Runden Tisch sollen deshalb auch Vertreterinnen und Vertreter der Krankenkassen eingebunden werden.
 
Ein weiterer Tagesordnungspunkt war die Vorstellung des geplanten Ärztehauses „Mitten im Leben“. Die überwiegend barrierefreien Gebäude sollen bis 2029 fertiggestellt werden. Vorgesehen sind flexibel nutzbare Praxisflächen mit moderner technischer Ausstattung, großzügigen Raumhöhen, einer zweigeschossigen Tiefgarage sowie einer nachhaltigen Bauweise und Photovoltaikanlage. Ärztinnen und Ärzte mit Interesse an einer Niederlassung oder Erweiterung ihrer Praxis sind eingeladen, frühzeitig Kontakt mit der Stadt oder dem Projektverantwortlichen aufzunehmen.
 
Außerdem wurden die Planungen für den Gesundheitstag 2027 im Rathaus vorgestellt. Die Veranstaltung soll mit Vorträgen, Präventions- und Informationsangeboten, Vital-Checks sowie weiteren Gesundheitsaktionen die Gesundheitsförderung in den Mittelpunkt stellen. Die Ärzteschaft ist eingeladen, sich mit fachlichen Beiträgen und einer aktiven Teilnahme einzubringen.
 
Der nächste Runde Tisch „Medizinische Versorgung“ ist für Frühjahr 2027 vorgesehen.