Aktueller Jahrgang ist erste Sahne

Rebbegehung der Stadtverwaltung in Ötlingen: Winzer informieren und berichten von ihren Sorgen

Bild Reben: Bei der Rebbegehung in Ötlingen gab es für die Teilnehmenden während des Spaziergangs wieder Infos aus erster Hand. Fotos: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Bähr

„Für Sorgen sorgt das liebe Leben, und Sorgenbrecher sind die Reben“: diese Zitat stammt von Johann Wolfgang von Goethe. Dass aber auch Winzerinnen und Winzer ab und an Sorgenfalten auf der Stirn haben, das wurde bei der traditionellen Rebbegehung der Stadtverwaltung deutlich. Vor allem die eingeschleppten invasiven Tierarten bereiten Probleme. Ob das nun die Amerikanische Rebzikade ist, die asiatische Hornisse, Essigfruchtfliege oder der Japankäfer.
 
Bei herrlichem Sommerwetter gingen in Ötlingen die heimischen Winzer gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Diana Stöcker, Bürgermeister Lorenz Wehrle, Ortschafts- und Gemeinderäten sowie städtischen Mitarbeitenden auf Tour durch die Reben des am höchsten gelegenen Weiler Ortsteils. Dabei wurde deutlich: der aktuelle Jahrgang am Tüllinger ist qualitativ erste Sahne, wobei der Ertrag um etwa ein Viertel im Vergleich zum vergangenen Jahr zurückgegangen ist.
 
„Wir brennen darauf, Wissenswertes aus den Reben zu erfahren. Bei Kaiserwetter begrüße ich sie hier im königlichen Ötlingen“, schmunzelte Ortsvorsteher Johannes Maier und blickte vom Platz hinter der Kirche in die weite Ferne. „Ein Traum“, stellte er fest. Kein Wunder wird Ötlingen doch auch als Terrasse des Markgräflerlands bezeichnet.
 
Auch Oberbürgermeisterin Diana Stöcker bekannte sich als echter Ötlingen-Fan. Ehe sie das Wort an Winzer Dieter Rösch weitergab, hob sie hervor, dass die Lese aufgrund der Klimaveränderungen immer früher beginnen müsse. Das unterstrich Rösch und machte klar: „Der Öchsle ist uns davongerannt, es musste schnell gehen, viele Winzer sind extra früher aus dem Urlaub heimgekehrt.“
 
Was ist der Öchsle-Grad? Dieser Wert zeigt, wie reif die Trauben sind und hilft bei der Bestimmung des besten Zeitpunkts für die Lese. Je höher der Oechslegrad, desto mehr Zucker ist im Most enthalten. Das lässt dann Rückschlüsse auf den späteren Alkoholgehalt des Weins zu.
 
Drei neue Schädlinge, so war zu hören, machen den Winzern zu schaffen: der Japankäfer, die asiatische Hornisse und die Rebzikade. „Leidtragende sind wieder wir. Sie haben keine natürlichen Fressfeinde und vermehren sich teils explosionsartig“, stellte Rösch fest. Die extreme Hitze dieses Sommers habe allerdings dazu geführt, dass weder Essigfruchtfliegen (Rösch: „zum Vermehren war es ihnen zu heiß“) ein Thema wurden noch der Pilzbefall aufgrund von nass-feuchtem Wetter den Weinreben zu schaffen machten. Anders sieht es beispielsweise bei der Amerikanischen Rebzikade aus.
 
Dieser Schädling verursacht erhebliche, langfristige Schäden im Weinbau. Das Befallsgebiet im Landkreis Lörrach weitet sich aus. Zur Verbreitung tragen maßgeblich auch verwilderte oder nicht mehr landwirtschaftlich genutzte Grundstücke bei. Von solchen Flächen machten sich die Anwesenden ebenfalls ein Bild.
 
Im Anschluss an den informativen Rebenrundgang, der auch dazu genutzt wurde, die Sorgen und Nöte der Weinbauern zu erfahren, lud die Stadtverwaltung die Teilnehmenden zu einem kleinen, gemütlichen Herbstvesper hinter dem Rathaus ein.

Oberbürgermeisterin Diana Stöcker traut sich an die Traube. Dieter Rösch schaut ihr über die Schulter.