Sorgen ernst nehmen, Ideen berücksichtigen

Geplante Erweiterung des Umschlagbahnhofs in Weil am Rhein: Stadtverwaltung macht ihren Standpunkt deutlich   

Oberbürgermeister Wolfgang Dietz (Mitte) und Bürgermeister Martin Gruner (links) machten beim Infomarkt der DB den Standpunkt der Stadt deutlich. Ulrich Holst, Leiter Projekte Umschlagbahnhöfe, erläuterte die Pläne. Bildquelle: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Bähr

Die Deutsche Bahn (DB) will den Umschlagbahnhof in Weil am Rhein erweitern, da die vorhandene Anlage mit ihren 130 000 Ladeeinheiten pro Jahr an ihre Leistungsgrenze stößt. Bis 2030 soll die Umschlagkapazität auf 200 000 steigen. Die Stadt Weil am Rhein steht einer weiteren Verlagerung der Güter auf die Schiene grundsätzlich positiv gegenüber. Doch, so halten Oberbürgermeister Wolfgang Dietz und Bürgermeister Martin Gruner fest, müssten die Bedenken der Anwohnerinnen und Anwohner erst genommen, Ideen und Wünsche früh in den Planungen berücksichtigt werden.

Die DB hat errechnet, dass sich mit dem Ausbau und der Modernisierung der Anlage jährlich 13,4 Millionen Lkw-Kilometer vermeiden und 10 000 Tonnen Kohlendioxidausstoß einsparen lassen würden. „Das sind eindrückliche Zahlen. Und natürlich ist uns bewusst, dass wir irgendwo mit der Mobilitätswende beginnen müssen. Deshalb stehen wir klar hinter der Verlagerung des Gütertransports auf die Schiene. Der Erfolg dieser Maßnahme liegt jedoch auch in ihrer Akzeptanz. Deshalb ist es überaus wichtig, dass die betroffenen Anlieger, gerade in Friedlingen und Otterbach, frühzeitig mitgenommen und gehört werden“, betont Bürgermeister Gruner.   

Die DB Netz AG stellte ihre Pläne für den Umschlagbahnhof Basel-Weil am Rhein vor und lud die Öffentlichkeit ein, ihren Infomarkt auf dem LGS-Gelände zu besuchen, um sich selbst ein Bild zu machen, Fragen zu stellen und Anregungen zu geben. Oberbürgermeister Dietz nutzte die Gelegenheit, um im Beisein von Ulrich Holst, Leiter Projekte Umschlagbahnhöfe, nicht nur die strukturellen und regionalen Begebenheiten der einstigen Eisenbahnerstadt näher zu erläutern, sondern den Planern auch ein deutliches Anliegen mit auf den Weg zu geben. 

Eine reine Schallschutzwand, die mehr als 400 Meter lang und fünf Meter hoch sein soll, reiche eben nicht aus. Es gelte auch, optisch und in Sachen Umweltschutz weitere Akzente zu setzen. Dietz forderte, auf Bäume nicht zu verzichten. „Bäume können erstens nicht mit Graffiti voll gesprayt werden, zweitens sehen sie auch viel schöner aus. Eine Wand kann Bäume niemals ersetzen“, machte er klar. 

Bürgermeister Gruner mahnte die lange Bauzeit und den damit verbundenen Baulärm an. „Auch hier gilt es die Bevölkerung mitzunehmen, drei Jahre sind eine lange Zeit.“ Die Belastungen seien hoch, auch was den zusätzlichen Lkw-Verkehr nach der Inbetriebnahme im Jahr 2028 betreffe. Ein zentraler Punkt, so zählte der in Friedlingen wohnhafte Gemeinderat Andreas Rühle auf, sei, dass die geplante Lärmschutzwand schon vor dem Beginn der Erweiterungsarbeiten stehen müsse.

Einig war sich die Verwaltungsspitze und Rühle, dass es frühzeitig zu einem offenen Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohner kommen müsse, um eine möglichst große Akzeptanz für diese rund 165 Millionen Euro teure Investition zu erreichen. 

Zwei neue Umschlaggleise, die Verlängerung bestehender Umschlaggleise, zwei neue Zugbildungsgleise, die Erweiterung der Krananlage von drei auf vier Portalkrane, der Neubau eines Dispositionsgebäudes, neue Sattelanhängerstellplätze und Vorstauplätze sowie ein zusätzlicher Einfahrbereich mit Straßenverkehrsanbindung sollen neben der Schallschutzwand entstehen. Damit reagiert die DB auf die steigende Nachfrage. Ein Ausbau würde zudem die Schieneninfrastruktur entlang des wichtigen europäischen Güterkorridors „Rhine-Alpine“ stärken, macht das Unternehmen klar.

Der Umschlagbahnhof in Weil am Rhein soll erweitert und modernisiert werden. Bildquelle: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Bähr