Schaffung von bezahlbarem Wohnraum kommt gut voran

Mit der Wohnrauminitiative konnten in Weil am Rhein seit 2017 im Zuge der Innenverdichtung 644 neue Wohneinheiten geschaffen werden.

Der starke Zuzug in das Dreiländereck hält seit einigen Jahren an und damit auch der Druck auf den Wohnungsmarkt in Weil am Rhein. Um auf dieses Wachstum zu reagieren treibt die Stadt das Thema Wohnungsbau seit 2017 gezielt voran. Oberbürgermeister Wolfgang Dietz hat das Ziel intern zur "Wohnrauminitiative" erklärt, bei der die gesamte Weiler Gemarkung überprüft, ob und wie Wohnraum ermöglicht werden kann. Auch der Gemeinderat hatte die "Schaffung von bezahlbarem Wohnraum" als Leitziel seiner Politik der damaligen Legislaturperiode formuliert (Klausurtagung April 2017) .
 
Die Anstrengungen der Stadtverwaltung lassen nun erste Erfolge erkennen, die sich sehen lassen können: In den vergangenen vier Jahren hat die Baurechtsabteilung der Stadt Weil am Rhein insgesamt 644 Wohnungseinheiten genehmigt. Im Schnitt sind das jährlich 161 Einheiten. Geht man so wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg davon aus, dass eine Wohnung in der Regel mit zwei Personen (genau: 2,1 Personen) belegt ist, so wurde im Zeitraum 2017 bis 2020 Wohnraum für 1.350 Menschen geschaffen. Zur besseren Veranschaulichung: dies entspricht dem Wohnraum der Stadtteile Märkt und Ötlingen zusammen: (Märkt: 683 Einwohner, Ötlingen: 685 Einwohner, Stand 31.12.2020) .
 
OB Dietz: "Mit dieser Bilanz kann Weil am Rhein zufrieden sein."
 
Konkret sichtbar ist dieser Wohnraum zum Beispiel im neu erschlossenen Baugebiet Hohe Straße. Auch die Überlegungen für das kürzlich vorgestellte Projekt in Otterbach Süd entsprechen dem Ziel, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. "Mit dieser Bilanz können wir sehr zufrieden sein", resümiert Oberbürgermeister Wolfgang Dietz nach den vier Jahren, seit die Verwaltung das Thema konsequent verfolgt. Dies bedeutet, dass beispielsweise das Gebiet der Hohen Straße in relativ kurzem Zeitraum umgesetzt wurde. Zugleich wurden planungsrechtliche Möglichkeiten auf der kleinen Gemarkung ausgelotet, wie etwa in Otterbach Süd. Wichtige Voraussetzung für zügige Umsetzung von Bauten ist unter anderem im Vorfeld zu prüfen, in welchen Bereichen der Stadt welche Art von Bebauung realisiert werden kann. 
 
Blick in die Nachbarschaft
 
Um die Situation in Weil am Rhein zu veranschaulichen, ist auch ein Vergleich zu anderen Städten aufschlussreich: In Lörrach etwa wurden im Zeitraum 2015 bis Mai 2020 1.250 Wohneinheiten genehmigt, jährlich im Schnitt also 227. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl (Lörrach: 49.251, Weil am Rhein: 30.150) stellen die in Weil am Rhein genehmigten 161 Wohneinheiten im Jahresdurchschnitt mit 70 Prozent also einen guten Wert dar verglichen mit den 62 Prozent in Lörrach. Auch ein Blick nach Freiburg ist aussagekräftig: Dort hat die Baurechtsbehörde der 229.000 Einwohner starken Stadt im vergangenen Jahr 660 neue Wohneinheiten genehmigt.
 
Wohnraumgenehmigungen für Anschlussunterbringung nicht mitgerechnet
 
Im Jahr 2017 wurden 218 Einheiten genehmigt, 2018 waren es 207, im Folgejahr 110 und zuletzt 109. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in der Zahl der genehmigten Wohneinheiten die für die Unterbringung der Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung genehmigten Wohneinheiten nicht berücksichtigt sind, so zum Beispiel am Messeplatz und im Eimeldinger Weg. Die vergleichsweise hohen Zahlen im Jahr 2017 und 2018 begründen sich mit dem Vorhaben der Städtischen Wohnbau in der August Bauer Straße (86 Wohneinheiten) sowie verschiedener Bauträger wie Toka Immobilien, Amann Wohnbau und Baugenossenschaft Haltingen-Weil eG, die in den beiden Jahren insgesamt 143 Wohneinheiten bewilligt bekamen.
 
Innenverdichtung statt zusätzlicher Flächenverbrauch
 
"Aus stadtplanerischer Sicht ist es neben der Neuschaffung von Wohnraum außerdem erfreulich, dass für die genehmigten Wohnungen nicht zusätzlich neue Flächen überplant werden mussten", erklärt Erster Bürgermeister Christoph Huber, in dessen Zuständigkeitsbereich das Thema liegt. Die Genehmigungen wurden entweder für bereits genehmigte Baugebiete oder im Zuge der Innen- und Nachverdichtung erteilt. Dies entspricht dem Ziel des Flächennutzungsplans 2022, nämlich die Innenentwicklung gegenüber dem Flächenverbrauch im begrenzten Grünbestand vorzuziehen. Dieses Ziel wurde bis jetzt erreicht. Außer dem laufenden Bebauungsplanverfahren „Hinter dem Dorf III“ in Ötlingen wurden keine neuen Bebauungspläne im Außenbereich aufgestellt. Im Außenbereich wurde zuletzt 2004 der „Obere Brommenacker IV“ in Haltingen aufgestellt. Weitere „Nachverdichtungen“ sind beispielsweise mit dem "Johannesquartier" in der Goethestraße gelungen, im Chrischona-Blick in Altweil, beim ehemaligen Bauhof der Firma Hemmerle im Märktweg in Haltingen oder beim Gebiet "In den Gärten", auch bekannt als "Grieloch".
 
Das Endergebnis ist umso zufriedenstellender, wenn man bedenkt, dass die Genehmigungsverfahren in den letzten Jahren deutlich schwieriger geworden sind. "Der Gesetzgeber räumt Nachbarschafts- oder Umweltbelangen einen wachsenden Stellenwert ein. Insofern sind Baugenehmigungsverfahren in den letzten Jahren deutlich anspruchsvoller geworden", betont OB Dietz.
 
Es kann rege weitergebaut werden
 
"Der Blick auf die vergangenen Jahre ist nur eine Zwischenbilanz", betont der OB, denn "die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist weiterhin erklärtes Ziel der Stadtpolitik". Die Aussichten sind vielversprechend dafür, dass das Bauen in Weil am Rhein auch in Zukunft zügig vorankommt: Für das Baugebiet „Hohe Straße“ liegt eine Vielzahl weiterer Bauanträge zur Bearbeitung vor und stehen teilweise kurz vor der Genehmigung. Mit dem Satzungsbeschluss über den Bebauungsplan „Nonnenholzstraße“ kann auch das Vorhaben der Städtischen Wohnbau in eine Baugenehmigung überführt werden. Die anstehende Ausschreibung des städtischen Grundstücks an der Blauenstraße bietet ebenso Potential wie die ebenfalls noch zur Verfügung stehenden verbleibenden Baublöcke im Baugebiet „Messeplatz“. Mit dem Gebiet nördlich des Hieber-Markts an der Römerstraße besteht eine weitere mögliche Fläche, über die aktuell Verhandlungen und Gespräche geführt werden. Auch das gemeinsam mit Immobilien Basel-Stadt initiierte Vorhaben Otterbach-Süd stellt langfristig gesehen eine Perspektive dar, um der ungebrochen hohen Nachfrage nach Wohnungen zu entsprechen.

Die genehmigten WE im Überblick:

2017 2018 2019 2020
218 207 110 109