Die Geschichte des Jugendparlaments

Anfang der 90-er Jahre setzte es sich der Stadtjugendring unter Federführung von Günther Endres, Matthias Zeller und Alfred Schöne zum Ziel, Weiler Jugendliche stärker in den kommunalpolitischen Willensbildungsprozess mit einzubeziehen.
Nachdem man sich bewusst für die politische Variante des Jugendparlaments, anstelle eines jugendlichen Beisitzers im Gemeinderat entschieden hatte, machten sich die Mitglieder der sogenannten "Jugendparlament AG" daran, diese weitreichende Idee in die Tat umzusetzen.
Am 17. Februar 1993 war es dann soweit. Nach mehreren Gesprächen mit der Verwaltung und den politischen Fraktionen des Gemeinderats, stimmte dieser der Geschäftsordnung geschlossen zu.
Seit diesem Tag gehörte die Stadt Weil am Rhein zu den ersten Gemeinden Baden-Württembergs, welche ein Jugendparlament als kommunalpolitische Vertretung der Jugendlichen besaß. Mittlerweile gibt es in ganz Baden-Württemberg mehr als 90 solcher Vertretungen. Die gesetzliche Grundlage für die Einrichtung eines Jugendgemeinderates bildet Paragraph 41a der Gemeindeordnung von Baden-Württemberg.

Eine Antwort auf die häufig gestellte Frage, ob Jugend politikverdrossen oder Politik jugendverdrossen sei, ist sicherlich die Installierung von Jugendgemeinderäten, welche Jugendlichen die Möglichkeit gibt, konkret an der Gestaltung ihrer Stadt mitzuwirken und diese somit von Früh auf in die Lage versetzt, Demokratie zu erfahren und zu lernen. Gerade dieser Aspekt zeugt von der Wichtigkeit solcher Einrichtungen. Jugendliche an die Demokratie heranzuführen muss immer eines der politischen Hauptziele einer pluralistischen Gesellschaft sein.
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben deutlich gezeigt, dass die jungen Parlamentarier ihre Sache gut gemacht haben.
Die Reihe von politischen Errungenschaften, die in der baldigen Errichtung eines Jugendspielplatzes auf dem Messeplatz dieses Jahr gipfelte, und die vielen Veranstaltungen, welche für Weiler Jugendliche schon durchgeführt worden sind, unterstreicht diese These deutlich. Hierzu passt das von Günther Endress 1992 geäußerte Zitat hervorragend:

"Jugendparlament ist wie Regen in der Wüste"

Es ist selbstverständlich, dass erwachsene Gemeinderatsmitglieder hauptsächlich Fachmänner/-frauen für die Interessen der Weiler Erwachsenen sind; genauso selbstverständlich sollte es sein, dass der gewählten Vertretung von Jugendlichen in Jugendfragen höchste Kompetenz zugesprochen wird. Kurz- und mittelfristiges Ziel kann es deshalb nur sein, den Kommunikationsfluss zwischen Verwaltung und Jugendparlament noch weiter auszubauen, das Jugendparlament noch früher in jugendrelevante politische Planungen mit einzubeziehen und somit gemeinsam eine Jugendpolitik zu betreiben, wo der Begriff der Nachhaltigkeit höchste Priorität besitzt.

Benjamin Schmidt