Keine Öffnung des Tunnels an Zollfreien Straße für Radverkehr

Die IG Velo Lörrach und andere haben den Vorschlag eingebracht, die Zollfreie Straße, insbesondere den Wiesetunnel, für den Radverkehr zu öffnen. Die Städte Lörrach und Weil am Rhein können als Untere Straßenverkehrsbehörden diesen Vorschlägen aus Gründen der Sicherheit nicht folgen. Zudem fehlt die notwendige Zustimmung des Regierungspräsidiums Freiburg, das ebenfalls erhebliche Bedenken äußert.

Mit der Anordnung zur Schließung der Grenzen zur Schweiz durch das Bundesministerium des Innern, die seit dem 16. März 2020 gilt, und die von der Schweizer Eidgenossenschaft beschlossenen Grenzschließung ab dem 18. März 2020 ist die kurze Verbindung für den Radverkehr zwischen Weil am Rhein und Lörrach sowie in umgekehrter Richtung entlang der Wiese gesperrt. Oberbürgermeister Jörg Lutz und Erster Bürgermeister Christoph Huber äußern Verständnis für die sowohl von der IG Velo Lörrach als auch von einigen Privatpersonen vorgetragenen Wünsche, die Zollfreie Straße (B317) und hier insbesondere den Wiesetunnel für den Radverkehr freizugeben.  

Beide Städte sind als Untere Straßenverkehrsbehörden für solche verkehrlichen Regelungen grundsätzlich zuständig. Im Bereich des Tunnels handelt es sich jedoch nicht nur um eine Bundesstraße, sondern zugleich um eine Kraftfahrstraße. Durch die Klassifizierung als Kraftfahrstraße können die beiden Städte nicht alleine über eine Freigabe entscheiden. Es bedarf hierzu der Zustimmung des Regierungspräsidiums Freiburg. Diese Zustimmung wurde aus für die beiden Städte nachvollziehbaren Gründen nicht erteilt. 

Auf Kraftfahrstraßen besteht der Vorrang für den schnellen Verkehr. Entsprechend ist die Straße geplant und ausgebaut. So besteht eine Fahrbahnbreite von zwei Mal 3,75 Metern mit durchgezogener Mittelmarkierung. Diese Fahrbahnbreite wird als nicht ausreichend gesehen, um ein gefahrloses Überholen von Radfahrern zu ermöglichen. Außerdem besteht im Tunnel und insbesondere auch bei den Zufahrten eine Längsneigung, die bei Radfahrern ohne E-Antrieb zu deutlich reduzierten Geschwindigkeiten führt. Dadurch wird der Überholdruck durch Autofahrer auch bei einer Geschwindigkeitsbegrenzung im Tunnel auf zum Beispiel 30 km/h erhöht. Ein durchschnittlicher Radfahrer benötigt zur Durchfahrung des Tunnels und den beiden Rampen bei 15 km/h etwa zwei bis drei Minuten. Hinzu kommen die Beleuchtungs- und Belüftungsverhältnisse im Tunnel. Beide sind nicht für den Langsamverkehr ausgelegt. Gerade durch die vorhandenen Einzelleuchten entsteht ein ständiger Wechsel von Licht und Schatten, welches die Erkennbarkeit von Radfahrern für den Autofahrer deutlich erschwert. 

Alternativ blieb die Überlegung, im Tunnel und den Rampenbereichen eine Fahrspur ausschließlich für den Langsamverkehr zu reservieren. Hier müsste der gesamte Tunnelbetrieb auf  einer Länge von 600 Metern dann für den motorisierten Verkehr durch Ampeln geregelt werden. Dies stellt gerade für Rettungsfahrzeuge (Notarzt, Krankentransporte, Feuerwehr usw.) eine unzumutbare Verlängerung der Fahrzeiten im Einsatzfall dar. Hinzu kommt, dass die Zollfreie seit der Grenzschließung am Übergang Altweil-Riehen die Umleitungsstrecke für die Buslinie 6/16 ist, die in ihrer Taktung bleiben muss. 

Diese entscheidenden Gründe führten letztendlich zu dem Ergebnis, die B317 mit dem Wiesetunnel nicht für den Langsamverkehr zu öffnen. Die beiden Städte tragen die fehlende Zustimmung des Regierungspräsidiums mit und teilen die dortige Einschätzung. In die Betrachtung eingeflossen sind ebenfalls die Bedenken des Landratsamtes, welches für den Betrieb des Tunnels zuständig ist.  

Die Stadt Lörrach hat die Initiative übernommen und auf Schweizer Seite angefragt, ob eine oberirdische Lösung für die Fahrradpendler zwischen. Hierzu sind noch weitere Abklärungen erforderlich.