Klimaschutz in der Stadt Weil am Rhein

Energetische Sanierung, die "Schule machen" soll – die Stadt Weil am Rhein saniert ihre Gemeinschaftsschule mit einem innovativen Lüftungskonzept

Die energetische Sanierung der im Jahre 1967 errichteten Schule umfasst einerseits die Erneuerung von Fassade und Fenstern auf Neubaustandard sowie andererseits den Einsatz von dezentralen Lüftungselementen in allen Klassenräumen. Über das Förderprogramm „Klimaschutz mit System“ wird die Sanierung vom Umweltministerium unterstützt.

Im Dreiländereck Deutschland - Frankreich - Schweiz liegt die große Kreisstadt Weil am Rhein. Mit ihren knapp 30.000 Einwohnern verfügt die Stadt über eine große Schullandschaft, bestehend aus fünf Grundschulen, einer Förderschule, zwei Gymnasien, einer Realschule und einer Gemeinschaftsschule. Diese wurde 1967 in typischer Betonskelettbauweise errichtet und wird seit 2015 als teilgebundene Ganztagesschule geführt. In ihrer Funktion als Inklusionsschule ist die Schule zudem Anlaufpunkt für Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung oder Lernschwäche. Seitdem steigen die Schüleranmeldezahlen kontinuierlich.

Schritt für Schritt zum Erfolg

Die Stadt Weil am Rhein hat systematisch auf die Schulsanierung hingearbeitet. Im Kontext des bereits vorliegenden energetischen Quartierskonzepts für das Areal, in dessen Perimeter sich die Gemeinschaftsschule befindet, hatte die Stadtverwaltung zusammen mit dem Gemeinderat 2016 eine Machbarkeitsstudie für deren energetische Sanierung in Auftrag gegeben. Daraus ergaben sich die folgenden drei Rahmenbedingungen für die Sanierung des Bestandsgebäudes: Die dringend notwendige Fassadensanierung soll mindestens den Niedrigstenergiestandard des Gebäudes gewährleisten. Das Problem der schlechten und verbrauchten Raumluft soll durch eine innovative Lüftungstechnik behoben werden, die sicherstellt, dass der CO2-Gehalt in der Raumluft nicht über 1.000 ppm ansteigt. Die eingebaute Lüftungstechnik muss modernen Ansprüchen an die Wärmerückgewinnung gerecht werden, ohne Gebäudekernsanierung umsetzbar sein und kostenmäßig im Rahmen bleiben. Dezentrale Lüftungselemente, die in jeden Klassenraum eingebaut werden, erfüllen diese Vorgaben. Sie sind kostengünstig, baulich leicht umsetzbar, günstig im Betrieb und einfach zu bedienen. Die Elemente werden an die vorhandene Gebäudeleittechnik angeschlossen und sorgen dank eingebauter CO2-Sensoren sowie Fensterkontakten für eine hohe Energieeffizienz und eine gleichbleibend hohe Raumluftqualität. Bei geöffneten Fenstern schaltet sich die Einheit automatisch ab; ab einem CO2-Gehalt von mehr als 1.000 ppm schaltet sie ein. Der Einbau von solch dezentralen, in die Fensterelemente integrierten Lüftungseinheiten ist eine sinnvolle und günstige Alternative zur "klassischen" energetischen Sanierung von Gebäuden, da auf eine zentrale Lüftungsanlage mit Rohrleitungen und Brandschutzklappen verzichtet werden kann. Gerade für Kommunen ist dieses kostengünstige Vorgehen bei gleichzeitig hohem Einsparpotential an Energiekosten und an Treibhausgasen eine interessante Alternative. In Verbindung mit der energetischen Ertüchtigung der Gebäudehülle wird eine CO2-Einsparung von 92 Tonnen pro Jahr erreicht.

Von den Erfahrungen profitieren

Für den Einbau von dezentralen Lüftungseinheiten in Schulgebäuden gibt es noch keine Standardempfehlungen, weshalb die Stadt Weil am Rhein dieses Sanierungsprojekt als Modell für eine einfache, innovative und hocheffiziente Lüftungsmaßnahme kommunizieren möchte. Ein Element der Öffentlichkeitsarbeit wird die "gläserne Baustelle" sein, bei der Schautafeln und Führungen den Schülerinnen und Schülern zeigen sollen, wie an ihrer Schule mit Energie umgegangen wird. Gerade an einer Gesamtschule, die die besondere soziale Durchmischung der Stadt Weil am Rhein abbildet, soll diese Maßnahme als innovatives Beispiel für Energieeffizienz allen Nutzern konkret und plastisch nahe gebracht werden. Darüber hinaus möchte die Stadt durch gezielte Exkursionen auch anderen Kommunen aus dem Landkreis Lörrach und aus benachbarten Landkreisen die Energie-Ziele und die damit zusammenhängende Umsetzung an diesem Beispiel vorstellen. Die Stadt nimmt damit die Rolle eines Multiplikators ein, der zu ähnlichen Sanierungsvorhaben animiert und die Verantwortlichen mit der gewonnenen Erfahrung unterstützt. Auch die umliegenden Anwohner, die dem anfangs erwähnten Quartierskonzept angehören, können so eine echte Alternative zur herkömmlichen Fassadendämmung kennenlernen und für ihre eigenen Sanierungspläne in Betracht ziehen.

Informationsveranstaltung Stadtteil Leopoldshöhe - energetisches Quartierskonzept und Nahwärmeversorgung am Montag, 31. Juli 2017

Was ist ein energetisches Quartierskonzept? Und was habe ich damit zu tun, was kann, was soll ich dazu beitragen? Vielleicht haben Sie sich das gerade beim Lesen der Betreffzeile dieser Einladung gefragt.
 
Die Stadt Weil am Rhein hat für das Quartier "Leopoldshöhe" (302,9 KB) Fördermittel für die Erstellung eines energetischen Quartierskonzeptes vom Bund erhalten. Ziel des Konzeptes ist es, die Versorgung mit Wärme und Strom in diesem Teilbereich der Stadt zu analysieren und unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit sowie des Klimaschutzes weiter zu entwickeln.
 
Dabei kann auch die neu im Stadtteil vorhandene Nahwärmeversorgung beitragen. Die Nahwärmeleitung liegt bereits in der Goethestraße. Ein weiterer Ausbau ist bei entsprechender Nachfrage möglich. Um im ersten Schritt den Bedarf zu ermitteln ist die Stadt auf aktive Mitwirkung angewiesen.
 
Zusammen mit den Fachleuten aus dem Energiesektor sowie Vertretern der Stadtverwaltung und den Stadtwerken wollen Erster Bürgermeister Christoph Huber sowie der Kaufmännische Leiter der Stadtwerke, Rudolf Koger Ziele, Inhalte und mögliche Umsetzungsmöglichkeiten in Kurzreferaten vorstellen.
 
Die Informationsveranstaltung findet statt am
 
Montag, 31. Juli 2017, 19.00 Uhr Rathaus, Großer Sitzungssaal. 
Zusammen mit den Mitwirkenden freut sich die Stadt über eine rege Beteiligung. Im Anschluss an die Kurzreferate stehen die Referenten zu den Themen Gebäudesanierung, Energieeffizienz, Nahwärmeversorgung und Fördermittel ebenso zur Verfügung.

Zwischenstand "Quartierskonzept Friedlingen"

Präsentation aus der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am 21. März 2017 (4,666 MB)

Erderwärmung - eine Gefahr für uns alle

Die vom Menschen verursachte Erderwärmung ist kein Zukunftsthema, sondern sie ist bereits in vollem Gange. Nach Erkenntnissen des wissenschaftlichen Weltklimarats (IPCC) wurde die beobachtete Erwärmung von annähernd einem Grad seit 1880 mit extremer Wahrscheinlichkeit zu mehr als der Hälfte vom Menschen verursacht, und noch nie verlief eine natürliche Erwärmung der Erde so schnell wie es heute zu beobachten ist. Es werden zahlreiche Konsequenzen befürchtet, auch für die Menschen, z. B.:

- Missernten mit Auswirkungen nicht nur auf einzelne Regionen, sondern die globale Ernährungssicherheit
- Anstieg des Meeresspiegels mit großen Gefahren für die besonders dicht besiedelten Küstenregionen
- Hitzewellen (insbesondere in den Tropen)
- Umweltflüchtlinge
- sicherheitspolitische Risiken für die Stabilität der Weltordnung
- Ausbreitung von Parasiten und tropischen Krankheiten

Direkt betroffen ist auch die Stadt Weil am Rhein: Es ist davon auszugehen, dass die Stadt – verstärkt durch die Lage im Baseler Becken – aufgrund des Klimawandels künftig tendenziell sehr heiße und für viele Menschen gesundheitlich belastende Sommer erleben wird.

Klimaschutz – und damit verknüpft die Energiewende – gehören also zu den wichtigsten und größten Aufgaben, für die jeder Einzelne und alle politischen Ebenen Verantwortung tragen.

Klimaschutz - keine Zeit verlieren

Ende 2015 wurde von der UN-Klimakonferenz in Paris ein Klimaabkommen beschlossen, das auf die Begrenzung der globalen Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst höchstens 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit abzielt. Um dieses Ziel erreichen zu können, müssen die Treibhausgasemissionen weltweit bis zwischen 2045 und 2060 zur Klimaneutralität zurückgeführt werden. Dazu ist es erforderlich, dass ein großer Teil der bereits entdeckten fossilen Brennstoffe, also Kohle, Öl und Gas, in der Erde bleibt. Diese Herausforderungen sind so gewaltig und so notwendig, dass keine Zeit zu verlieren ist.

Strategischer Klimaschutz in Weil am Rhein

Die Stadt Weil am Rhein betreibt bereits seit vielen Jahren eine aktive Energie- und Klimaschutzpolitik mit zahlreichen Projekten und Maßnahmen. Einige davon seien hier erwähnt, eine umfassende Zusammenstellung können Sie downloaden (95 KB):

- Bereits 1995 wurde ein umfassendes Energiekonzept erstellt
- Seit 1999 informiert die Verwaltung in jährlichen Klimaschutz- und Energieberichten den Rat und Öffentlichkeit über die Aktivitäten und Erfolge der Stadt
- Für ihre eigenen Liegenschaften betreibt die Stadt ein intensives Energiemanagement, verbunden mit einem Energiecontrolling, zahlreichen großen und kleinen Sanierungsmaßnahmen sowie der Errichtung von Anlagen zur Gewinnung von Solarenergie
- Die Stadtwerke haben einen Betriebszweiges Nahwärmeversorgung gegründet
- Die Stadt ist Gründer und Mitgesellschafter der seit 2013 existierenden Energieagentur des Landkreises Lörrach
- Im Mobilitätssektor ragen zwei Projekte mit überregionaler Bedeutung heraus: Die für Fußgänger und Fahrradfahrer reservierte Dreiländerbrücke sowie die Tram-Linie nach Basel – die einzige internationale Tramlinie Deutschlands

Der städtische E-Car-Fuhrpark

2015 beschloss der Gemeinderat, die Anstrengungen weiter zu verstärken und strategischer auszurichten. Deshalb wurde mit Förderung des Bundesumweltministeriums durch das Büro merkWATT eine „Einstiegsberatung kommunaler Klimaschutz“ durchgeführt, um das bisher Erreichte zu bilanzieren und Schwerpunkte für die Zukunft festzulegen.
Dabei wurden für die nächsten Jahre zwei Schwerpunkte definiert: Die energetische Stadtsanierung und die klimafreundliche Mobilität. Dazu im Folgenden mehr:

Klimafreundliche Mobilität in Weil am Rhein

Die grenzüberschreitende Tramlinie 8 als große Bereicherung für den ÖPNV

Weil am Rhein ist großen Belastungen durch Transitverkehre auf der Straße und der Schiene sowie den EuroAirport ausgesetzt. Auf diese Verkehre hat die Stadt kaum Einfluss. Umso wichtiger ist es, dass die Stadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten für einen klimafreundlichen und belastungsarmen innerstädtischen Verkehr sorgt. Deshalb hat die Stadt einen Förderantrag beim Bundesumweltministerium eingereicht, um ein Klimaschutzteilkonzept "Klimafreundliche Mobilität" (2,045 MB) erarbeiten zu lassen. Die Arbeiten daran werden voraussichtlich im Spätsommer 2016 beginnen und ein Jahr dauern.

Ziel ist, die bereits vorhandenen mobilitätsrelevanten Konzepte und Planungen für Weil am Rhein an die Herausforderungen Klimaschutz und Energiewende anzupassen und zu ergänzen, Prioritäten zu setzen und konkrete Maßnahmen zu definieren. Ergänzend soll das Klimaschutzteilkonzept ein spezifisches betriebliches Mobilitätsmanagementkonzept für die Stadt als Arbeitgeber und ihre Beschäftigten enthalten.

Auf diese Weise entsteht ein strategisches Planungsinstrument, um in der Stadt Weil am Rhein die verkehrsbedingten Treibhausgas-Emissionen zu verringern und die Mobilität aller Bevölkerungsgruppen zu sichern und möglichst zu verbessern. Die Umsetzung des Konzepts wird die Verkehrs- und Klimaschutzpolitik der Stadt Weil am Rhein in den nächsten Jahren erheblich prägen.

Energetische Stadtsanierung

Solaranlage auf dem Gebäude Betriebshof & Feuerwache in Weil am Rhein

Über die Hälfte der Energieverbräuche in Deutschland betreffen den Wärmesektor. Beim Heizen der Wohnungen wie auch in der Industrie gibt es große Einsparpotenziale, die durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen – vom Dämmen der Häuser über die Nutzung erneuerbarer Energien bis zur Nutzung industrieller Abwärme – genutzt werden können. Der Gemeinderat hat das Quartier Ortsmitte Friedlingen beispielhaft dafür ausgesucht, in einem energetischen Quartierskonzept näher betrachtet zu werden. Die Wahl fiel auf die Ortsmitte Friedlingen, weil dieses Quartier ohnehin ein ausgewiesenes Sanierungsgebiet ist und in den kommenden Jahren zahlreiche Sanierungsaktivitäten zu erwarten sind. Da bietet es sich an, energetische Aspekte auf hohem qualitativem Niveau mit zu berücksichtigen. Mit dieser Vorgehensweise ist ein weiterer Vorteil verbunden: Auch private Hauseigentümer können Aufwendungen für die energetische Sanierung ihrer selbst genutzten Häuser von der Steuer absetzen.  

Das energetische Quartierskonzept "Ortsmitte Friedlingen" (2,045 MB) soll gleichzeitig den beispielhaften Beginn einer systematischen, mittelfristig die ganze Stadt Weil am Rhein einschließenden energetischen Sanierung darstellen. So will die Stadt einen engagierten Beitrag zur Erreichung des bundesdeutschen Klimaschutzziels „annähernd klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050“ leisten.

Mitwirkung erwünscht!

Ein wichtiger Bestandteil der Konzeptarbeit sowohl des Mobilitätskonzepts als auch des Konzepts zur energetischen Stadtsanierung ist die Einbeziehung von Akteuren und der ganzen Öffentlichkeit.  Die Stadt wird rechtzeitig über die Möglichkeit einer Mitwirkung öffentlich informieren und auf die betroffenen Interessengruppen aktiv zugehen. Für Fragen und Anregungen steht schon jetzt als Ansprechpartner in der Stadtverwaltung Herr Thomas Klug (t.klug@weil-am-rhein.de, Tel. 07621-704333) zur Verfügung.  

Weil in die Zukunft gedacht!

Unter dem Motto „Weil in die Zukunft gedacht!“ hat das Büro merkWATT, welches die Stadt in Sachen Klimaschutz berät, eine Reportage aus Weil am Rhein im Jahr 2041 (94,4 KB) erstellt. Darin werden die großen Linien der Entwicklung hin zu einer klimaneutralen Stadt Weil am Rhein dargestellt. Mit dieser Reportage gewinnen sie ein Bild, in welche Richtung sich unsere Stadt Schritt für Schritt entwickeln soll, muss und wird – durch das gemeinsame Engagement der Kommune, der Unternehmen und Vereine sowie aller ihrer Einwohnerinnen und Einwohner!

 

Projekte der Stadt- und Raumentwicklung

Quartierskonzept "Bleichäcker, Hohe Straße, Vitra"

lntegriertes Quartierskonzept der Stadt Weil am Rhein
für das Quartier ,,Bleichäcker, Hohe Straße, Vitra"
(4,301 MB)

velo2025 - Radverkehrskonzept Weil am Rhein

velo2025 - Radverkehrskonzept Weil am Rhein (20,476 MB)

IBA Basel 2020

IBA Basel 2020

www.iba-basel.net

Bauen und Sanieren

Broschüre Bauen und Sanieren (6,312 MB)

Energiebericht der Stadt Weil am Rhein

Klimaschutz- und Energiebericht 2012 (2,666 MB)

Landschaftspark Wiese

Icon Landschaftspark Wiese

Die aktuelle Faltkarte (von 2014) (1,635 MB) präsentiert Aufgaben und Ziele der grenzüberschreitenden Planung in der Wieseebene und stellt umgesetzte Massnahmen vor. Die Faltkarte kann auch im Stadtbauamt bezogen werden. Weitere Informationen: