Begrüßung von Oberbürgermeister Wolfgang Dietz aus Anlass der Vergabe des Siegels "Kinderfreundliche Kommune"

Sehr geehrter Herr Abgeordneter Frey,

sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderates,

sehr geehrte Gäste,

Stellen Sie sich vor: Sie sitzen bei Günter Jauch in der Sendung "Wer wird Millionär?" und bekommen die Frage gestellt: Wer war am vergangenen Wochenende in seiner Liga erfolgreich:

A. Köln,

B. Wolfsburg,

C. Regensburg oder

D. Weil am Rhein?

Die fußballerische Antwort ist klar: Es gab nur einen Sieger. Wolfsburg hat gegen Schalke verloren (2:3), Köln unterlag Berlin mit 1:2 und Jahn Regensburg verlor zu Hause gegen Bielefeld mit 0:1. Nur Weil obsiegte gegen die SpVgg Untermünstertal mit 11:0. Deshalb ist D. die richtige Antwort.

Nächste Fragerunde.

In welcher Liga spielen die genannten Städte gemeinsam?

Da darf man sich nicht vom Fußball auf die falsche Fährte locken lassen. Alle vier Städte gehören zu den deutschen Kommunen, die sich einem Wettbewerb um die Vergabe des Siegels "Kindefreundliche Kommune" gestellt haben. Zusammen mit anderen Städten haben wir uns als sogenannte Pilotkommunen auf den Weg gemacht. Wir haben unsere Anstrengungen dokumentiert, mit denen wir die Teilhabe, das Mitwirken und die Zukunftschancen von Kindern und Jugendlichen in unserem Gemeinwesen aktuell und künftig fördern wollen.
 
Ich freue mich über den heutigen Anlass und die zahlreichen Gäste, die zur Vergabe des Siegels "Kinderfreundliche Kommune" zu uns gekommen sind. Begrüßen Sie mit mir:

Herrn Prof. Dr. Lothar Krappmann, vormaliges Mitglied im Ausschuss für die Rechte des Kindes bei den Vereinten Nationen und heute Vorsitzender der Sachverständigenkommission Kindefreundliche Kommune e.V.

Frau Dr. Heide-Rose Brückner, Geschäftsführerin des Vereins, und die Projektleiterin Frau Susanne Fuchs,

Herrn Holger Hoffmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerks,

Herr Dr. Sebastian Sedlmayer von UNICEF Deutschland und Frau Christine Langen und Frau Christine Dietz für die UNICEF-Arbeitsgruppe Lörrach,

Frau Zimmermann-Fiscella, Sozialdezernentin des Landkreises Lörrach in Vertretung von Frau Landrätin Dammann.
Die Herren Abgeordneten des Bundestages Armin Schuster und des Landtages Herr Ulrich Lusche und Herr Rainer Stickelberger haben sich für heute Vormittag entschuldigen müssen.
 
Sehr herzlich begrüße ich den Gemeindepräsidenten von Riehen, Herrn Hansjörg Wilde. Es war ein Besuch in seiner Gemeinde, bei seinem Amtsvorgänger Willi Fischer, der mich im Sommer 2011 auf den Gedanken gebracht hat, die Stadt Weil am Rhein könnte sich ebenfalls um das Siegel "Kinderfreundliche Kommune" bewerben. Das war zu einem Zeitpunkt, als es die UNICEF-Initiative in Deutschland noch gar nicht gab, sondern nur in unseren Nachbarländern Frankreich und Schweiz. 
Als dann im Februar 2012 (14.02.2012) in Deutschland der Verein "Kinderfreundliche Kommunen" gegründet wurde, standen wir bereits in den Startlöchern. Der Gemeinderat beschloss auf Vorschlag der Verwaltung schon drei Wochen später (6. März 2012) unsere Beteiligung an der Pilotphase. Mit Frau Michaela Rimkus konnten wir eine Projektverantwortliche gewinnen, die sich seither mit viel Herzblut und Engagement der neuen Aufgabe widmet.

Schülerbefragungen,
Workshops,
organisierte Streifzüge von Kindern und Jugendlichen durch die Stadt und Stadtteile,
das Stadtspiel,
intensiver Austausch mit städtischen Ämtern und Mitarbeitern,
Kontakte zur örtlichen UNICEF-Gruppe,
Beratungen im Jugendparlament und im Kultur-, Sport- und Verwaltungsausschuss

waren einige der zahlreichen Aktivitäten, die in der Folge zu einer Standortbestimmung und schließlich zum Maßnahmenplan führten.
Ich sage Frau Rimkus, Herrn Ottmar Schmidt, dem Leiter unserer Abteilung für Soziales, Schule und Sport und Frau Annette Huber, der Leiterin unseres Hauptamtes herzlichen Dank. Der Dank gilt aber auch den vielen Kindern und Jugendlichen, die sich im Laufe der Zeit eingebracht und mitgewirkt haben.
 
Der heutige Tag ist für die Stadt Weil am Rhein ein Etappenziel und zugleich ein Startpunkt.
Das muss man erklären:
Etappenziel, weil heute der Prozess der Dokumentation und der Bewertung in der Vergabe des sogenannten Siegels mündet.
Startpunkt, weil damit die Phase beginnt, in der wir uns vorgenommen haben, weitere Schritte zu einer noch kinderfreundlicheren Kommune zu gehen.
 
Weil am Rhein hat in den vergangenen 15 Jahren im Kinder- und Jugendbereich große Anstrengungen unternommen. Das gilt namentlich für die Einrichtungen der Kinderbetreuung und der schulischen Bildung.
Seit der Jahrhundertwende haben wir
                                 
Schulen umfänglich erweitert und modernisiert wie die Hans-Thoma-Schule in Haltingen, das Kant-Gymnasium oder jüngst die Rheinschule,

mit dem Oberrhein-Gymnasium ein zweites, bilingual ausgerichtetes Gymnasium gegründet,

den Weg für eine Gemeinschaftsschule für die bisherige Markgrafenschule geebnet,

mit der Rheinschule die erste Ganztagesgrundschule eingerichtet,

mit der Humboldt-Halle eine weitere, neue Sporthalle gebaut.

Bei den Kindertageseinrichtungen haben wir die Zahl der Gruppen von 43 auf 56 Gruppen gesteigert

die Zahl der Plätze für Kinder unter drei Jahren von Null im Jahr 2000 auf aktuell 282 gebracht, was einem Versorgungsgrad von 35,6% entspricht. Zudem sind 50 U3 Plätze in Planung bzw. im Bau (St. Elisabeth, Danziger Straße, Hohe Straße), was dann zu einem Versorgungsgrad von 41,9% führen soll.

Wir haben mit dem Schwalbennest in Ötlingen die erste betriebsübergreifende Kindertagesstätte im Landkreis gegründet,

im Stadtteil Haltingen mit dem JuNO ein neues, modernes Jugendzentrum errichtet,

die Ausbildungsbörse zur angesehensten Einrichtung ihrer Art in Südbaden  entwickelt.
 
Das sind für mich Beispiele für nachhaltige Investitionen in die Zukunft. Unser aller Bestreben muss es sein, jungen Menschen Chancen für das Gestalten der Zukunft zu eröffnen. Es ist dabei nicht alleine mit Bildungs- oder Freizeiteinrichtungen getan. Politik muss weiter denken. Sie muss bei mancher wünschenswert erscheinenden Sache auch mal "Nein" sagen, auch wenn das aktuell zunächst nicht populär erscheint. Dank einer eindrücklichen Haushaltsdisziplin von Gemeinderat und Verwaltung ist es in den vergangenen 15 Jahren auch gelungen, die seinerzeit enorme städtische Verschuldung deutlich abzutragen. Warum flechte ich das ein? Auf unsere Kinder kommen viele Herausforderungen zu, die mit der Vernetzung unserer Welt, mit dem immer engeren Zusammenrücken auf unserem Planeten, mit der wirtschaftlichen Konkurrenz und den kulturellen Differenzen zu tun haben. Zu vorausschauender Politik gehört für mich, ihnen nicht auch noch das Abtragen von öffentlichen Schulden vergangener Zeiten aufzubürden. Sie haben keine Wahl: Sie müssen dieses Erbe antreten und können es nicht einfach ausschlagen.
 
Der schonende Umgang mit Ressourcen ist nicht alleine eine Frage des Regenwaldes. Die  rechtzeitige Diät in Sachen öffentliche Ausgaben ist der Stadt gut bekommen. Wie es Fastenkuren aber so an sich haben, beginnt die schwierigste Zeit kurz vor dem Ziel. Man darf dann mit seinen Anstrengungen nicht nachlassen und bequem werden.
Sich am Erreichten erfreuen und konsequent weiter machen, das sollte für uns das Leitmotto auch für unser Ziel "kinderfreundliche Kommune" sein. Wir können durchaus stolz zurückblicken, verstehen das aber gleichzeitig als Aufforderung zum Weitermachen. Hierzu erbitte ich Ihre Unterstützung - nicht nur in den städtischen Büros und in den Gremien des Gemeinderates. Kinderfreundlichkeit beginnt in den Köpfen. Hier kann jeder von uns im täglichen Miteinander seinen Beitrag leisten.