Rede von Oberbürgermeister Wolfgang Dietz aus Anlass der Eröffnung der Tramlinie 8 Basel - Weil am Rhein

Die offizielle Eröffnung der Linie 8 zwischen Basel und Weil am Rhein schlägt ein historisches Kapitel in der Geschichte des Dreilandes auf. Erstmals seit der Stilllegung der Linie 6 nach Lörrach 1967 verkehrt wieder eine Straßenbahn über die Landesgrenzen zwischen der Schweiz und Deutschland. Der Vorgang hat weit mehr als nur symbolische Bedeutung. Er macht beim Thema Verkehr zur Selbstverständlichkeit, was wir im menschlichen und wirtschaftlichen Bereich im Dreiländereck alltäglich leben.

Der Raum rund um Basel ist eine Kernregion der europäischen Möglichkeiten. Hier tragen die praktischen Formen der Zusammenarbeit Früchte - dank der Überzeugung und der Entscheidungsfreude der lokalen Akteure in Deutschland, Frankreich und der Schweiz und zum Nutzen für die Bevölkerung im Dreiland. Infrastrukturprojekte und die wirtschaftliche Verflochtenheit erlauben es uns, den Titel "Europäer des Alltags" zu tragen.


Die Dreiländerbrücke für Fußgänger und Radfahrer über den Rhein zwischen Huningue und Weil am Rhein,

die Zollfreie Straße,

die Buslinie 55 zum Badischen Bahnhof und Claraplatz,

das Trinationale Umweltzentrum,

die 3Land-Planung,

die Kooperation der Rheinhäfen
- die Liste ist lang und noch lange nicht erschöpft.
 
Die Tram-Verbindung aber ragt unter den zahlreichen Infrastrukturprojekten besonders hervor. Das Legen von Schienen hat etwas sehr Verbindliches, trägt die Dauerhaftigkeit in sich. Und wir Weiler haben deshalb in den Vertragsverhandlungen sehr viel Wert auf das Einrichten des sogenannten Erneuerungsfonds gelegt, ein gemeinsamer Fonds, der in den kommenden Jahren konstant von Basel und Weil am Rhein befüllt wird. Wir denken auch in finanziellen Dingen an die Zukunft. Denn die Instanzen, die uns heute bei der Erstinvestition so tatkräftig unterstützt haben, werden uns beim Unterhalt und der Erneuerung der Strecke nicht mehr zur Seite stehen. Für mich ist wichtig: nicht nur das Konzept von Mobilität muss nachhaltig sein. Auch die Finanzierung muss nachhaltig sein.
 
Der Öffentliche Nahverkehr im Dreiländereck macht heute einen Quantensprung. Das gilt für die Berufspendler aus Weil am Rhein und dem Rheintal nach Basel - und für die Einkaufs- und Freizeitpendler in beiden Richtungen.
Wir haben uns als Stadt mit dem Fahrplanwechsel für einen Qualitätssprung bei den Busverbindungen für unsere Ortsteile Ötlingen und Märkt entschieden. Sie sind jetzt regelmäßig in unser Busnetz einbezogen. Und am Samstag gibt es sogar zwei Abendbusse von Ötlingen und Märkt nach Weil am Rhein und damit zur Tram. So kann man sorgenfrei in der dortigen Gastronomie einkehren.    
 
Um die "Tram-Verlängerung" umzusetzen, bedurfte es auf Seite der Stadt Weil am Rhein enormer Anstrengungen. Ich danke daher heute allen beteiligten Personen, die zur Ideengebung, zur Planung und vor allem zur Bauausführung beigetragen haben. Ich danke den mitfinanzierenden Institutionen und ihren gewählten Repräsentanten, die an die Realisierbarkeit des Projektes geglaubt und uns Vertrauen entgegen gebracht haben:


der Schweizer Eidgenossenschaft,

dem Land Baden-Württemberg,

dem Kanton Basel-Stadt,

dem Landkreis Lörrach,

den Basler Verkehrsbetrieben (BVB),

der Europäischen Union,

dem Gemeinderat der Stadt Weil am Rhein und

den Spendern des Fördervereins "Regio-S-Bahn jetzt".

Sie alle gleichzeitig und aufeinander abgestimmt zu einem gemeinsamen, für alle tragbaren Ergebnis zu führen, war eine besondere Herausforderung.

Mein besonderer Dank gilt den Projektverantwortlichen auf Basler und Weiler Seite, die offen und ehrlich gegenüber den politisch Verantwortlichen Probleme angesprochen und Lösungen vorgeschlagen haben. Sie haben bei einem historischen Projekt exemplarische Arbeit geleistet und bewiesen: durch hohen persönlichen Einsatz und Kreativität können technische und administrative Hindernisse, die sich aus der Zweistaatlichkeit des Vorhabens ergeben, überwunden werden. Gestatten Sie mir zwei Mitarbeiter unserer Stadtwerke besonders hervorzuheben, auf deren Schultern in den vergangenen Jahren eine große Arbeitslast und große Verantwortung lag:


der Projektleiter, der kaufmännische Werkleiter der Stadtwerke und Kämmerer der Stadt, Herr Rudolf Koger und an seiner Seite

der technische Leiter unserer Werke und zugleich Leiter der städtischen Tiefbauabteilung, Herr Axel Moick.
 
Sie haben die Stadt Weil am Rhein ausgezeichnet durch das Projekt geführt, für unsere Stadt Geschichte geschrieben und dafür gesorgt, dass die Kosten eingehalten werden konnten. Unter den vielen weiteren Akteuren, die sich beim Umsetzen von der Idee zur Tat große Verdienste erworben haben, möchte ich die beiden technischen Betriebsleiter, Herrn Thomas Ruff und Herrn Heinz Teuscher nennen. Auch Sie verdienen unserer aller Anerkennung und Würdigung. Selbstverständlich danke ich von Herzen der Vielzahl von Mitarbeitenden des Bau- und Verkehrsdepartements und der BVB. Sie waren solide und verlässliche Partner.

Mein Dank gilt aber auch den 36 an Planung und Bau beteiligten Ingenieurbüros und Baufirmen. Sie haben gute, pünktliche und im Ergebnis kostentreue Resultate produziert.
 
Die erste Absichtserklärung für eine Straßenbahn von Basel nach Weil am Rhein stammt aus dem Jahr 1995. Viele politisch verantwortliche Personen haben seither daran mitgewirkt. Sie füllen eine lange Liste. Den entscheidenden Durchbruch verdankte das Projekt aus meiner Sicht auf Basler Seite Herrn Regierungsrat a.D. Dr. Ralf Lewin. Lieber Ralf - herzlichen Dank!

Beim Land Baden-Württemberg waren es der damalige Ministerpräsident Herr Günter Oettinger und sein Finanzminister Herr Willi Stächele. Sie hatten nicht nur ein offenes Ohr und wohlfeile Worte für das Vorhaben, sondern haben mit einer mutigen Entscheidung die Stadt Weil am Rhein und ihren Gemeinderat erst finanziell in die Lage versetzt, der Tramverlängerung zuzustimmen. Ihnen gebührt ein großes Dankeschön für Ihre Weitsicht und ihr Vertrauen.
Gleiches gilt für den Landkreis Lörrach, der die Bedeutung für die Pendler im Perimeter erkannte. Hier sage ich Dank Herrn Landrat a.D. Walter Schneider und den Fraktionen des Kreistages für die damalige Entscheidung. Die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte haben in Weil am Rhein lange und intensiv gerungen. Die Diskussion war kontrovers, aber vorbildlich und hat ein gutes Ende genommen.
Die Europäische Union half uns grenzbedingte Besonderheiten zu finanzieren. Davon gab es zahlreiche. Heute erscheinen sie den Beteiligten fast anekdotenhaft, waren aber veritable Hindernisse, die mit viel gutem Willen und Fantasie überwunden werden mussten.
 
Ab diesem Sonntag verkehrt ein neues, ein sauberes, ein sicheres Verkehrsmittel durch die Straßen von Weil am Rhein. Alle Verkehrsteilnehmer müssen sich umstellen - nicht nur die Tram-Nutzer, auch die Fußgänger, Radfahrer, Roller- und Autofahrer. Unser Projekt ist in den jüngsten Wochen mit vielen Komplimenten bedacht worden. Das größte Kompliment aber können die Bewohnerinnen und Bewohner des Dreilandes dem Projekt machen, indem sie die Tramlinie nutzen. Mancher Politiker reden gerne über hehre Ziele. Das bringt öffentliche Aufmerksamkeit. Wir in Weil am Rhein wenden unsere Energie dem Weg des konkreten Umsetzens zu. Es ist unser Beitrag zur "Energieeffizienz" und praktizierten Nachhaltigkeit.
 
Ich wünsche mir heute:


Viele Nutzerinnen und Nutzer,

ein gutes Neben- und Miteinander der Verkehrsträger,

unfallfreies Verkehrsgeschehen,

viele gute menschliche Begegnungen mit den neuen Verbindungen von Bussen und Tram,

und den daraus wachsenden Ansporn, die Zukunft weiter zu denken. Vor allem aber, sie realistisch und nachhaltig zu gestalten.
 
Mit Freude sehe ich der Tram-Zukunft zwischen Basel und Weil am Rhein entgegen. Freuen Sie sich alle mit uns.