Eine lebendige, einzigartige Freundschaft

Vertragsunterzeichnung am 20. Mai 1962: 60 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Weil am Rhein und Hüningen / Treffen der Gemeinderäte

Das zentrale, verbindende Element der Städtepartnerschaft  - die Dreiländerbrücke, die 2007 eingeweiht wurde und den Zusammenhalt der beiden Städte noch stärker intensivierte. Bildquelle: Stadtverwaltung Weil am Rhein

Heute exakt vor 60 Jahren wurde die Jumelage zwischen Weil am Rhein und Hüningen offiziell besiegelt. Wilhelm Schellenberg, damaliger Weiler Bürgermeister, und sein Hüninger Pedant Joseph Bonnet unterzeichneten den Vertrag für eine der ersten Partnerschaften zwischen Städten der beiden einst verfeindenden Nationen. Seit dem 20. Mai 1962 spannen beide Nachbarstädte zusammen, leben das Miteinander und tragen damit ein vereintes Europa im Herzen. Wolfgang Dietz, Oberbürgermeister der Stadt Weil am Rhein spricht anlässlich des Jubiläums von einer „einzigartigen Freundschaft“.

Die Sonne strahlte und die Stimmung war bestens, als die Gemeinderäte aus Hüningen und Weil am Rhein nach dreijähriger Corona-Pause wieder zusammenkommen durften. Abgeschlossene und aktuelle Projekte standen jüngst auf der gemeinsamen Tour durch die 3-Länder-Stadt auf dem Programm dieses ebenso eindrücklichen wie interessanten Tages.

Das Corona-Virus und die einher gehenden Einschränkungen hatten die jährlichen Treffen der Gemeinderäte zuletzt ausgebremst. Pünktlich zum 60-jährigen Bestehen der Partnerschaft durfte der zwanglose Austausch wieder stattfinden.  Oberbürgermeister Wolfgang Dietz hieß die französische Delegation um Bürgermeister Jean-Marc Deichtmann auf der Dachterrasse des Rathaus-Erweiterungsbaus willkommen. Zwar ist es im Moment noch eine Baustelle, aber die Gäste konnten einen Eindruck von diesem Großprojekt mitnehmen.

60 Jahre Jumelage, 60 Jahre Rathaus. Während der Bestandsbau aus allen Nähten platzt, die heutigen Anforderungen an die Verwaltung nur noch bedingt erfüllt und durch ein neues Gebäude ergänzt wird, ist die Partnerschaft der beiden Nachbarstädte noch immer mit Leben gefüllt, von gegenseitigem Respekt und großer Freundschaft geprägt. Die vielen gemeinsamen Projekte, der regelmäßige Austausch halten die Beziehung jung und dynamisch.

Bestes Beispiel dieser intensiven Zusammenarbeit ist die Neugestaltung der beiden Rheinufer
Bestes Beispiel dieser intensiven Zusammenarbeit ist die Neugestaltung der beiden Rheinufer anlässlich des Vis-à-Vis-Projekts. Im neuen Rheinpark auf deutscher Seite wurde beim Spaziergang schnell deutlich, wer sehr hier das Leben pulsiert, wie hoch dieses Naherholungsgebiet frequentiert ist und wie viele verschiedene Kulturen hier zusammenkommen. „Unglaublich, welch ein Leben hier herrscht. Alle Sitzgelegenheiten waren belegt, der neu angelegte Spielplatz wurde bevölkert. Überall tummelten sich Menschen“, freute sich Dietz.

Zuvor hatten sich die beiden Delegationen bereits die Nahwärme-Heizzentrale der Stadtwerke in der Römerstraße angeschaut und einen Stopp bei den neuen Sportanlagen und dem Jugendzentrum in Friedlingen eingelegt. „Nachhaltigkeit und alternative Energieversorgung nehmen gerade in Hüningen Fahrt auf.“ Aber auch die Sport- und Jugendtreffs waren für die französischen Kommunalpolitiker von hohem Interesse. Schließlich soll dort das kommunale Sportstadion im Herbst wiedereröffnet werden, wie Bürgermeister Deichtmann berichtete. 

„Der Rhein hat seine trennende Wirkung verloren und wird mehr und mehr zum Mittelpunkt unserer Region."
Als zentrales, verbindendes Element der Städtepartnerschaft fungiert die schmucke Dreiländerbrücke, die 2007 eingeweiht wurde und den Zusammenhalt der beiden Städte noch stärker intensivierte. Auch nach 15 Jahren hat die Passerelle nichts an ihrer Beliebtheit eingebüßt.  Im Gegenteil. „Es ist unglaublich, wie viele Menschen zu Fuß oder auch mit dem Rad die Dreiländerbrücke überqueren“, macht Dietz deutlich. „Der Rhein hat seine trennende Wirkung verloren und wird mehr und mehr zum Mittelpunkt unserer Region“, ergänzt der Oberbürgermeister.

Die Atmosphäre beim Treffer der Rätinnen und Räte war sehr locker, viele Gespräche wurden geführt. Insgesamt war die Freude bei allen Beteiligten riesig, endlich einmal wieder zwanglos zusammenzukommen. Zuletzt war das 2019 der Fall, als die hiesigen Gemeinderätinnen und -räte ins Elsass fuhren und die Gedenkstätte Hartmannswillerkopf mit ihren französischen Kolleginnen und Kollegen besuchten.

„Wir müssen unsere besondere Grenzsituation nutzen. Sie gibt uns die Chance, uns mit anderen Ländern und Kulturen direkt auszutauschen. Wir können hier den europäischen Gedanken tagtäglich leben“, unterstreicht Dietz, für den es Verpflichtung und Ansporn ist, die Zusammenarbeit und Freundschaft mit Leben zu füllen, auch wenn das einen erheblichen Mehraufwand gegenüber vergleichbaren Städten bedeutet.  

Gruppenbild auf der Dachterrasse des Rathaus-Erweiterungsbaus: Die Gemeinderäte aus Hüningen und Weil am Rhein sind nach dreijähriger Corona-Pause wieder zusammengekommen. Bildquelle: Stadtverwaltung Weil am Rhein / Huber