Ziel ist es, den Gemeinderäten den derzeitigen Planungsstand und Baufortschritt vorzustellen und gleichzeitig Transparenz für dieses grenzüberschreitende Großbauprojekt im Dreiländereck zu schaffen. Oberbürgermeister Dietz ist damit der erste Oberbürgermeister aus Weil am Rhein, der in einer Huninguer Gemeinderatssitzung bei einem offiziellen Tagesordnungspunkt das Wort erhält.
**********************************************
Im Folgenden finden Sie den Redebeitrag von Oberbürgermeister Dietz aufgeführt:
Sehr geehrter Herr Kollege Bürgermeister Deichtmann,
sehr geehrte Damen und Herren Mitglieder des Gemeinderates von Huningue,
mit großer Freude habe ich die Einladung zur heutigen Gemeinderatssitzung angenommen. Nach meinem Wissen erhält erstmals der Oberbürgermeister der Stadt Weil am Rhein bei einem offiziellen Tagesordnungspunkt im Gemeinderat von Hüningue das Wort. Ich danke sehr herzlich für diese Gelegenheit. Sie ist für mich ein lebendiger Ausdruck für unsere herzliche und von Freundschaft getragene Beziehung. Ich freue mich schon heute auf den Besuch und den Bericht von Herrn Bürgermeister Deichtmann. Er wird uns im September (28.9.2010) in der Gemeinderatssitzung in Weil am Rhein über die Pläne Huningues berichten, das Zentrum rund um den Abbatucci-Platz neu zu gestalten.
Seit der Eröffnung der Dreiländerbrücke hat die Beziehung unserer Städte eine neue Qualität bekommen. Unsere Bürgerinnen und Bürger entdecken die Infrastruktur auf der jeweils anderen Seite des Rheins:
• Laguna oder Parc des eaux vives,
• die Radwege entlang der Wiese oder des Kanals,
• der Dreiländergarten (Gelände der Landesgartenschau 1999) oder die Petit Camargue d'Alsace,
• die kulturellen Angebote im Triangle oder die Einkaufsmöglichkeiten in Weil am Rhein
sind einige Beispiele für die immer enger werdenden Beziehungen. Unsere Bürgerinnen und Bürger leben die Partnerschaft jeden Tag in variantenreichen Formen.
Die Verflechtungen mit Basel
Huningue und Weil am Rhein teilen eine Gemeinsamkeit: wir gehören beide zum Einzugsgebiet des Wirtschaftsraumes Basel. Viele unserer Bürgerinnen und Bürger haben ihren Arbeitsplatz in Basel. Nach unseren neuesten Zahlen pendeln täglich ca. 3.600 Bürger aus Weil am Rhein nach Basel zur Arbeit (3.570 in die NW-Schweiz; 3.237 nach BS und BL).
Angesichts dieser engen wirtschaftlichen und sozialen Verflechtung haben wir den Vorschlag des Kantons Basel-Stadt aufgegriffen, die Straßenbahnlinie 8 nach Weil am Rhein zu verlängern. Damit wird ein zusätzliches und attraktives Angebot für den öffentlichen Verkehr im Dreiländereck entstehen. Die Diskussionen um dieses Projekt waren bei uns ausführlich, kontrovers, aber im Ergebnis auch sehr konstruktiv.
Der Gemeinderat von Weil am Rhein hat am Dienstag der vergangenen Woche (18.05.2010) den sogenannten Baufreigabebeschluss gefasst. Damit kann das Projekt auf der deutschen Seite aus dem Stadium des grundsätzlichen Planens heraustreten und nach und nach Wirklichkeit werden. Die neue Straßenbahntrasse verändert unsere Verkehrsbeziehungen zu Basel ganz erheblich. Sie hat auch zahlreiche Vorteile für Huningue.
Beginnen wir aber mit der Gesamtübersicht. Die Linie 8 verläuft aktuell zwischen der Neuweiler Straße und Kleinhüningen. Unser Projekt sieht vor, die Trasse von Kleinhüningen aus nach Norden bis zum Bahnhof in Weil am Rhein, neben dem Rathaus zu verlängern.
Die Linie 8 gehört zu den Strecken in Basel mit besonders attraktiven Haltestellen. Sie berührt wichtige Verkehrsknotenpunkte, wirtschaftliche Zentren und Freizeiteinrichtungen. Um das zu illustrieren unternehmen wir jetzt zusammen eine virtuelle Fahrt mit der Straßenbahn von der neuen Endhaltestelle in Weil am Rhein nach Basel.
Beginnen wir in Weil am Rhein an der künftigen Endhaltestelle, im Zentrum am Bahnhof. Hier halten die Regionalzüge von Freiburg nach Basel und die Wiesentalbahn von Steinen über Lörrach nach Weil am Rhein. Hier gibt es auch Haltestellen der Busse, die die Stadteile von Weil am Rhein und das Kandertal mit dem Zentrum verbinden.
Die Straßenbahn fährt von hier aus auf unserer Hauptstraße in Richtung Friedlingen. Drei Haltestellen wird es in Friedlingen geben:
• "Riedlistraße",
• "Blauenstraße" und
• "Dreiländerbrücke",
die den Osten und den Westen dieses Stadtquartiers erschließen.
Auf den Folien sehen Sie den üblichen, fußläufigen Einzugsbereich der Haltestellen eingetragen in Kreisen von 250 und 500 Metern. Man sieht hier gut, dass die Haltestation "Dreiländerbrücke" auch für die Bewohner von Huningue eine attraktive Möglichkeit für die Fahrt nach Basel sein kann. Dank der Brücke ist die so benannte Haltestelle am Rheinpark auch von Huningue einfach zu erreichen.
Nach der Haltestelle an der Dreiländerbrücke fährt die Straßenbahn dann vorbei am Rheincenter zum Grenzübergang. Die Zollanlage Friedlingen / Kleinhüningen wird deutlich verkleinert und umgebaut werden. Die Gespräche mit der Schweizerischen und der deutschen Zollverwaltung verlaufen gut.
Auf der Basler Seite sind in Kleinhüningen die Arbeiten für den Bau der Straßenbahn bereits seit Ende 2008 im Gang. Hier werden mit neuen Brücken zunächst die Einfahrt in den Basler Hafen und dann die Wiese überquert.
An der Wiese beginnt die heute schon existierende Strecke der Linie 8. Sie führt vorbei an wichtigen Arbeitsplätzen der Region wie dem Basler Rheinhafen und dem Campus Novartis. Gerade in der Chemieindustrie arbeiten viele Pendler aus der Region.
Nicht weit ist es zum Musical Theater Basel. Über den Claraplatz geht es schließlich über die Mittlere Rheinbrücke weiter nach Großbasel in die Innenstadt. Nacheinander folgen der Marktplatz und der Barfüsserplatz mit dem Zugang zum Theater und den Museen.
Eine beachtliche Zahl von Arbeitsplätzen gibt es im Bankenviertel rund um den Aeschenplatz. Schließlich hält die Tram direkt vor dem Bahnhof SBB. Hier besteht Anschluss an das gesamte Schienennetz der Schweizer Bundesbahnen und der SNCF. Und die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich steht gleich nebenan. Auch der Basler Zoo liegt an der Strecke der Linie 8. Er verzeichnet jedes Jahr über 1 Mio. Besucherinnen und Besucher und gehört damit zu den großen Attraktionen in unserer Region.
Wie man sieht, liegen interessante Haltepunkte an der Linie 8. Das gilt für die Arbeitsplätzen in der Chemie, im Bankensektor, im Einzelhandel, im Transportgewerbe und in anderen Arten der Dienstleistungen. Das gilt aber auch für die kulturelle Angebote und das Anknüpfen an die internationalen Bahnnetze von Frankreich und der Schweiz.
Zeitplan
Was sind die nächsten Schritte? Wie sieht der Zeitplan aus?
Als nächster Schritt wird auf der deutschen Seite die technische Planung verfeinert. Schwierigster Teil ist dabei das Überqueren der Bahnanlagen beim Weiler Bahnhof mit einer Brücke. Für viele von uns wird es ein déjà-vu-Erlebnis geben. Die Planer schlagen nämlich zum Überspannen der Geleise teilweise eine Bogenbrücke vor. Von ihr aus werden direkte Verbindungen zu den Bahnsteigen der Rheinteilbahn bestehen, mit Treppen und Aufzügen. Auf der neuen Brücke wird dann auch die neue deutsche Endhaltestelle sein.
Die technische, politische und finanzielle Abstimmung mit der Deutschen Bahn ist sehr anspruchsvoll, denn unsere neue Brücke überquert eine der am meisten frequentierten Bahnstrecken in Europa.
Noch in diesem Jahr werden wir mit ersten vorbereitenden Bauarbeiten beginnen. Es müssen Wasser- und Abwasserleitungen verlegt werden. Zugehörige Arbeiten beginnen noch in diesem Jahr.
Schließlich wollen wir an der Kreuzung am Rheinpark an Stelle der bisherigen Ampelregelung einen Kreisverkehr bauen. Hier sollen die Bauarbeiten im Frühjahr 2011 beginnen. In Etappen zieht sich die Baustelle dann durch Friedlingen. Wir hoffen, dass Mitte 2013 die erste Straßenbahn auf der Strecke fahren kann.
Parkraumregime
Einem Thema müssen wir uns stellen, das auch in Basel und im Elsass hohe Wellen schlägt. Es geht um die Parkplätze für Pendler. In einigen Teilen von Weil am Rhein haben wir bereits ein Parkplatzregime, das den Anwohnern die Priorität beim Parken einräumt. Diesen Vorrang für die Anwohner eines Quartiers werden wir auch in Friedlingen umsetzen müssen, denn sonst blockieren Pendler aus dem Umland unsere Straßen entlang der Linie 8.
Im Ergebnis erwarten wir von dem Projekt der Linie 8 eine deutliche städtebauliche Verbesserung für unseren Stadtteil Friedlingen. Schon heute kann man sehen wie sich Hauseigentümer anstrengen, die Qualität ihrer Immobilien zu verbessern.
Finanzierung
Ein Wort zu den Finanzen. Die Stadt Weil am Rhein wäre nie in der Lage, die Investition in diese Infrastruktur alleine zu finanzieren. Deshalb kommt es zu einer gemeinsamen Anstrengung vieler Partner. In den Finanzverhandlungen mit dem Kanton Basel-Stadt war es mir sehr wichtig, auch über die Kosten zu sprechen, die durch den laufenden Betrieb entstehen, und Vorsorge zu treffen für die später einmal notwendigen Ersatzinvestitionen:
• Der Kanton Basel-Stadt und die BVB stellen den Betrieb sicher und kommen auch dafür auf.
• Gemeinsam wird jede der beiden Seiten jedes Jahr mindestens € 60.000.- in einen gemeinsamen Topf einbezahlen. Damit kann ein gewisser Grundstock gelegt werden, um die technischen Anlagen in einigen Jahren zu erneuern.
Zusammenfassung
Lassen Sie mich zusammenfassen:
Das Projekt der Linie 8 ist auf einem guten Weg. Es wird den öffentlichen Nahverkehr zwischen Basel und Weil am Rhein deutlich verändern. Auch für die Bevölkerung von Huningue kann die neue Linie ein zusätzliches Angebot bedeuten, auch wenn die Straßenbahnwagen etwas moderner als auf diesem Bild sein und auf der rechten Seite des Rheins verkehren werden.
Unsere Dreiländerbrücke steht als verbindendes Element unserer Städte und ihrer Bürgerinnen und Bürger einmal mehr im Mittelpunkt. Die Brücke trägt zu Recht ihren Namen. Sie hat nicht nur einen hohen symbolischen Wert, sondern erweist sich Tag für Tag als nützliche Infrastruktur für die Menschen links und rechts des Rheins.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

