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08.04.2009 Rede von Oberbürgermeister Wolfgang Dietz aus Anlass des Ersten Spatenstichs für den Bau der neuen Feuerwache und des neuen Betriebshofes am Mittwoch, 8. April 2009


Modellfoto der zukünftigen Feuerwache mit Betriebshof

Mit großer Freude heiße ich Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren, als unsere Gäste aus Anlass des Spatenstichs für die neue zentrale Feuerwache und den Betriebshof willkommen.

Wir geben heute den Startschuss für ein städtisches Großprojekt von enormer Bedeutung. Die Freiwillige Feuerwehr und der städtische Betriebshof bekommen ein neues, ein gemeinsames Domizil. Mehr als vier Jahrzehnte nach dem Bezug der Räume des damaligen Werkhofes in Alt-Weil (1966) und des Feuerwehrhauses auf der Leopoldshöhe (1965) ist es an der Zeit, die beiden Einrichtungen so unterzubringen wie es den aktuellen und den zukünftig erwartbaren Bedürfnissen entspricht. Indem wir Feuerwache und Betriebshof baulich zusammenführen, verwirklichen wir ein Konzept, das auch außerhalb unserer Stadt beachtet wird.  

Für die Beteiligten geht eine lange Zeit des Wartens, der Diskussion, des Überlegens, des Verwerfens, des erneuten Durchdenkens und Planens zu Ende. Ab heute wird es konkret.

Ausführliche Diskussionen über einen möglichen Standort – namentlich für die Feuerwache – wurden in den vergangenen Jahren geführt.

Erwogene Standorte und Varianten waren abhängig von den tatsächlichen und gesetzlichen Einsatzanforderungen. Deshalb war die Diskussion manchmal etwas kompliziert. Hinzu kam die Tradition in historisch gewachsenen Abteilungen.

Die intensive inhaltliche Debatte, innerhalb der Feuerwehr selbst, in der Stadtverwaltung und im Gemeinderat hat sich gelohnt.Neue Strukturen sind für die Feuerwehren im ganzen Land notwendig, auch in Weil am Rhein. Die Gründe liegen auf der Hand:

·         die Art der Einsätze bekommt zunehmend eine andere Qualität. Sie fordert eine höheren Ausbildungsstand und größere Spezialisierung bei den Wehrleuten;
·         die Arbeitswelt unserer Freiwilligen verändert sich und beschränkt die Zahl derer, auf die bei Alarm zurück gegriffen werden kann.
·         Und schließlich müssen wir – trotz der aktuell sehr erfreulichen Entwicklung bei der Jugendfeuerwehr – in der mittleren Frist mit den sinkenden Jahrgangsstärken rechnen.

Das sind alles gute Gründe, die bauliche Neuordnung mit strukturellen Veränderungen zu verbinden.

Ab heute setzen wir eine Planung um, die viele Vorteile hat:

·         Die vier Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr ausAlt-Weil, Leopoldshöhe, Friedlingen und Otterbach können räumlich und strukturell zusammengeführt werden.
·         Die Lasten des Einsatzes können besser und gerechter verteilt werden: ein wichtiger Gesichtspunkt angesichts von nahezu einem Einsatz pro Tag im Jahresdurchschnitt.
·         Wir können mittelfristig die Zahl der Feuerwehrfahrzeuge reduzieren. Indem wir die Mittel konzentrieren, wird es in Zukunft möglich werden, Fahrzeuge und Geräte noch zeitaktueller zu beschaffen – vorausgesetzt, die wirtschaftliche Entwicklung lässt uns nicht im Stich.
·         Der Betriebshof erhält eine aufgabengerechte Unterbringung. Das Gebäude wird den Anforderungen gerecht, die unsere Bürgerinnen und Bürger an einen funktionierenden Betriebshof stellen. Da braucht es Platz für Straßenschilder, Absperrgitter, Mähmaschinen, Streusalzlager, Straßenkehrmaschinen, Freischneidegeräte für Böschungen und Unterholz, Peitschenmasten, Straßenlampen aller Art, Handkarren, Lastwagen und Transporter …. und, und, und.
·         Die Fahrzeuge und Geräte von Feuerwehr und Betriebshof können am gemeinsamen Standort auch in gemeinsamen Anlagen gewartet werden.
·         Im Herzen von Alt-Weil können wir nach dem Auszug der Feuerwehr-Abteilung Alt-Weil und des Betriebshofes ein attraktives Wohnquartier entwickeln. Ich setze hier auf die Phantasie von Stadtplanern und Bauherren. Ich wünsche mir, sie mögen Bauformen wählen, die der Struktur und dem gewachsenen Bild Alt-Weils entsprechen.
·         Mit dem neuen Standort eröffnen wir weit in die Zukunft hinein – anders als an den beengten bisherigen Standorten der vier Feuerwehrabteilungen und des Betriebshofes – die große Chance, bei Bedarf Veränderungen und nötigenfalls Ergänzungen vornehmen zu können. Gebäude und Standort halte ich deshalb für sehr zukunftstauglich.
 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Wir beginnen heute eines der größten Bauprojekte in der jüngeren Geschichte der Stadt. Sie sehen das schon allein an der „Parade der technischen Fahrzeuge“ um uns herum. Feuerwehr und Betriebshof haben heute einige der Fahrzeuge aufgestellt, die in dem neuen Gebäude untergebracht werden. Die Fahrzeuge demonstrieren eindrücklich die vielfältigen Aufgaben, die Feuerwehr und Betriebshof zu meistern haben.  

Fahrzeuge des Betriebshofes

Vor Ihnen stehen die Fahrzeuge des Betriebshofes – 19 Fahrzeuge (4 Lkw bzw. große Traktoren, 7 Transporter, 5 Pkw, 3 kleinere Traktoren) und 11 Anhänger für diverse Funktionen wie das Absperren von Straßen oder das Einsammeln von Grünschnitt und Laub. Zu den Fahrzeugen kommen beim Einzug noch die Gerätschaften hinzu, die an die Fahrzeuge angehängt bzw. montiert werden können wie beispielsweise Schneeschieber oder Streusalzverteiler. Auch sie brauchen ihren Platz.

Fahrzeuge der Feuerwehr

Die Feuerwehr ihrerseits wird in ihrem Teil des Gebäudes 8 Großfahrzeugen, 6 Kleinfahrzeugen und 3 Anhängern unterstellen. Vom derzeitigen Fuhrpark bleiben in den Abteilungen Haltingen, Ötlingen und Märkt je zwei Fahrzeuge zurück.

Zu den Feuerwehrfahrzeugen, die in die neue Wache wechseln, gehören

·         5 Löschfahrzeuge,
·         die Drehleiter,
·         der Einsatzleitwagen und
·         der Kommandowagen,
·         zwei Rüst- bzw. Vorrüstwagen und
·         drei Anhänger für die Wasserrettung, den Einsatz bei Ölunfällen und die „Lichtgiraffe“ (LMA = Lichtmastanhänger) für Einsätze bei Nacht.
 

Für alle diese Gerätschaften des Betriebshofes und der Feuerwehr brauchen wir Stellfläche – und das ebenerdig. Und für die Menschen, die die Gerätschaften bedienen, braucht es Büros, Sozialräume, Schulungsräume usw. – und bei der Feuerwehr natürlich ein „Florianstüble“ für die Kameradschaftspflege.

Das Architekturbüro „Drei Architekten“ aus Stuttgart hat einen funktional durchdachten, überzeugenden und doch der Umgebung gut angepassten, landschaftsgerechten Entwurf gefertigt. Er wurde in enger Absprache mit der Leitung des Betriebshofes, der Feuerwehr und unserem Gebäudemanagement im Zuge der Zeit immer weiter optimiert.

Das Wort Großbauprojekt wird deutlich an den baulichen Dimensionen. Das Gebäude wird – in der Form des Buchstabens L – zwei Schenkel haben, die an der Gelenkstelle mit den Büro- und Sozialräumen verbunden sind. Die Fassade nach Norden – d.h. zur B 317 hin – wird rund 77 Meter, die Fassade im Osten rund 91 Meter lang werden.

Das Bauvolumen umfasst ca. 30.000 Kubikmeter (genau: 29.460 m³) umbauten Raum, bei einer Nutzfläche von etwa 3.500 Quadratmetern (genau: 3.507 m²).

Wir haben gemeinsam mit den Architekten ein beispielhaftes Energieversorgungskonzept entwickelt. Mit dem Grundwasser wird über einen Wärmetauscher im Winter geheizt. Eine Photovoltaikanlage erzeugt einen Großteil des Stroms, der für die Pumpen und die Elektrizitätsversorgung notwendig ist. In einer Zisterne unter dem Schlauchturm wird das Regenwasser gesammelt, das für Reinigungszwecke und für Übungszwecke genutzt werden kann. Zusammen mit der Holzfassade ergibt sich ein energetisch und ökologisch beispielhaftes Gebäude. Dies bringt auch der Zuschuss der badenova aus ihrem Innovationsfonds zum Ausdruck.

Ein paar Worte zur Bauausführung:

Der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat war es ein großes Anliegen, den Bau nicht an ein Generalunternehmen zu vergeben.
Mit dem Aufteilen in einzelne Lose geben wir auch örtlichen und regionalen Betrieben Gelegenheit, sich an der Ausschreibung zu beteiligen. Wir leisten in dieser wirtschaftlich für die Bundesrepublik schwierigen Zeit durch unser Vorgehen einen sehr gewichtigen Beitrag für den regionalen Arbeitsmarkt.
Das Beibehalten der städtischen Haushaltsdisziplin – auch in den besseren Jahren – kommt der Bauwirtschaft in unserer Region – und damit den Menschen – jetzt zu Gute. Immerhin investieren wir nach der Kostenberechnung der Architekten ein Volumen von über € 11 Mio..

Vom Land Baden-Württemberg erhalten wir einen Festbetragszuschuss in Höhe von € 588.000.-. Aber 95 % der Baukosten (!) bringt die Stadt Weil am Rhein aus eigenen Mitteln auf. Kein anderes Projekt der vergangenen Jahrzehnte hatte diese finanzielle Dimension für den städtischen Haushalt. Bei keinem anderen Projekt der Vergangenheit, aber auch in der nächsten Zukunft ist der städtische Finanzanteil so hoch. Und deshalb ist es mehr als berechtigt, auch im finanziellen Sinne von einem Großprojekt zu sprechen.

In einem ersten Ausschreibungspaket haben wir bereits Aufträge im Gesamtbetrag von € 3,6 Mio. erteilt. Sie umfassen acht Gewerke und etwas mehr als 40% der insgesamt erforderlichen Bauleistungen. Bei sechs Gewerken kamen die günstigsten Bieter aus der Region und erhielten deshalb auch den Auftrag.

Heute (8. April 2009) haben wir weitere drei Gewerke ausgeschrieben, und zwar die Arbeiten für
1.       die Lüftung,
2.       das Dach inklusive Begrünung und
3.       den Gerüstbau.
Die Ausschreibung erfolgte über Anzeigen in der örtlichen Presse, das EU-Amtsblatt und das Internet.
Gerne fordere ich die einschlägigen Betriebe in der Region erneut auf, ihre Angebote abzugeben.
 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

Ich danke dem Leiter unseres Hauptamtes, Herrn Christoph Huber und dem Leiter unseres Gebäudemanagements, Herrn Jürgen Hitze für ihr großes Engagement. Sie haben im Rahmen unserer städtischen Projektstruktur federführend und gemeinsam mit der Führung der Feuerwehr und des Betriebshofes, mit den Architekten und Fachplanern das Projekt ausgezeichnet vorangetrieben. Das verdient uneingeschränkte Anerkennung – denn immerhin widmen sich beide Ämter im Moment noch zahlreichen anderen größeren Baustellen wie beispielsweise Neubau des Zweiten Gymnasiums und Konjunkturpaket II.

Ich danke dem Spielmannszug der Feuerwehr für die Untermalung des Spatenstichs. Mein Dank gilt auch der Abteilung Haltingen, die unsere anschließende Verpflegung organisiert hat.

Etwa 18 Monate Bauzeit liegen vor uns. Feuerwehr und Betriebshof haben ab heute ein klares Ziel für den Umzug im Spätherbst 2010 vor Augen. Das motiviert zusätzlich für die kommenden Monate. 

Ich wünsche uns einen zügigen und unfallfreien Ablauf der Bauarbeiten.

Ich wünsche uns qualitativ gute Handwerksleistungen, auf die das Handwerk selbst stolz sein kann.
Und ich wünsche uns am Ende der Bauzeit ein Gebäude, das den Bauherrn und die Nutzer über viele Jahrzehnte zufrieden stellt.
Mit den Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Betriebshofes und mit der gesamten Bürgerschaft freue ich mich über den heutigen Startschuss.
Der Imperativ des Tages lautet deshalb: Frisch ans Werk!


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